Tignanello

Dieser rote Tropfen brach 1971 mit den Traditionen toskanischer Weinherstellung. Neben der typischen Toskanertraube Sangiovese bereicherten erstmalig Bordeaux-Sorten sowie ein Barrique-Ausbau einen Chianti-Wein. Das Ergebnis war eine vollmundige rote Cuvée von ausgewogener Fruchtigkeit und hoher Qualität. Zwar hatte dies die Aberkennung des DOCG-Gütesiegels zur Folge; doch echte Weinliebhaber lassen sich davon nicht täuschen – mit der Erfindung des Supertoskaners stieg ganz zu Recht das Ansehen italienischer Rotweine.

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Tignanello – ein Wein sprengt alle Grenzen

Der Tignanello revolutionierte die Weinherstellung Italiens. Als er 1971 erstmals auf den Markt kam, brach er mit den Regeln des Anbaugebietes. Zu verdanken ist er der Kühnheit und dem innovativen Geist des Gutsbesitzers Marchese Piero Antinori und seines Chefönologen Giacomo Tachis. Sie empfanden den für einen Chianti Classico geltenden Rahmen als zu eng und experimentierten mit anderen Rebsorten und Kellertechniken. Die Konventionen warfen sie über Bord, indem sie die vorgeschriebene Rebsortenmischung veränderten. Der Chianti-Rotwein erhielt dadurch einen ganz neuen Ausdruck. 

Dabei verzichteten sie auf den obligatorischen Anteil an weissen Trauben und öffneten sich internationalen Weinstilen. Die toskanische Hauptrebsorte Sangiovese erhielt mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc neue Verschnittpartner. Damit huldigten sie der für die Spitzenweine des Bordeaux üblichen Assemblage. Eine weitere Innovation stellte der erstmalige Ausbau eines Chianti-Rotweins im Barrique dar. Das Ergebnis war beeindruckend: Das neue Herstellungsverfahren veredelte den Tropfen und wirkte sich auf das Geschmacksbild des Tignanello-Weins äusserst positiv aus. 

Jedoch begegneten die Kontrollbehörden der Abkehr von traditionell italienischen Sorten und Gepflogenheiten mit Skepsis. Sie verwehrten fortan dem Gut Tignanello das Gütesiegel „DOCG“. Die rote Cuvée fand ausschliesslich als Tafelwein („Vino da Tavola“) ihren Weg in die Verkaufsregale – eine Klassifikation, die eigentlich nur für mittelmässige, für den schnellen Genuss gedachte Erzeugnisse vergeben wird. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch. Vor allem das Ausland erkannte die Qualität. Insbesondere die Weinliebhaber in den USA verehrten die neue Kreation aus der Toskana. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf

Berühmtheit erlangte der Tignanello-Wein unter dem Etikett „Supertoskaner“. Die Bezeichnung erhielt er von US-amerikanischen Weinjournalisten, die den neuen Weinstil enthusiastisch feierten. Auch andere italienische Winzer kehrten alsbald den strengen DOCG-Vorgaben den Rücken. Daraus gingen der Sassicaia und der Brunello di Montalcino hervor. 1992 suchte der Landwirtschaftsminister Giovanni Goria nach einem Ausweg für die unklare Bezeichnungslage. Mit einem neu erlassenen Gesetz schuf er eine Qualitätskategorie für Landweine von Spitzenqualität: Indicazione Geografica Tipica. Damit war zwar nach wie vor das DOCG-Siegel nicht gestattet, doch der Tignanello erfuhr auf die Weise nun auch eine offizielle Aufwertung. 

Heute steht der Tignanello für Rotweine, die zwar nicht den Produktionsregeln eines DOC- oder DOCG-Weines entsprechen, aber dennoch von hoher Güte sind, mitunter sogar die Qualität klassifizierter Prädikatsweine übertreffen. Den hohen Anspruch spiegelt die strenge Trauben-Auswahl wider. Das rote Cuvée aus dem Chianti erzeugen die Winzer nur in den besten Jahren. Stimmt die Qualität des Traubenguts nicht, fällt die Produktion aus. Einen besonders hervorragenden Jahrgang stellt zum Beispiel der Tignanello 2013 dar. 

Charakter eines Tignanello-Rotweins

Der granatrot leuchtende Tiganello setzt sich in der Regel aus 80 Prozent Sangiovese, 15 Prozent Cabernet Sauvignon und 5 Prozent Cabernet Franc zusammen. Wer einen Tiganello kauft, erhält einen körperreichen und fruchtigen Wein, der ein intensiv duftendes Bouquet aufweist. Der hohe Anteil an Sangiovese sorgt für einen vollmundigen Ausdruck und ein angenehmes Beerenaroma. Der Verschnitt mit den Bordelaiser Sorten rundet den Geschmack ab. Die ausgewogene Textur und Tanninstruktur hinterlassen einen samtigen Eindruck. Kennzeichnend für einen Tiganello-Wein sind ebenso die ausgeprägte Fruchtigkeit und das vielgestaltige Bouquet. Das vorherrschende Beerenaroma ergänzen dezente Gewürznoten und feinherbe Anklänge an Schokolade und Tabak. 

Das Tignanello-Weingut

Der Tignanello ist im Anbaugebiet Chianti Classico unweit des Ortes Montefiridolfi beheimatet. Die Rebflächen sind begrenzt. Für den Wein ernten die Winzer ausschliesslich die besten Trauben einer nur 47 Hektar umfassenden Einzellage. Diese befindet sich an den Hängen über dem Tal „Val di Pesa“ in circa 400 Metern Höhe. Die roten Reben finden hier eine optimale Bodenstruktur vor. Ein Gemisch aus Sandstein, Kalk und Mergel begünstigt das Wachstum. Ebenso ideal ist das Mikroklima. Die Hänge mit ihrer südwestlichen Ausrichtung bieten den Rebstöcken eine Sonnenbank. Die Trauben reifen voll aus und können spät gelesen werden. Um die besten Trauben auszuwählen und unversehrt weiterverarbeiten zu können, werden sie per Hand geerntet. 12 bis 14 Monate währt der Ausbau der einzelnen Sorten im Barrique, erst anschliessend werden sie durch die Kellermeister von Tignanello verschnitten. 

Das Gut, von dem so viele moderne Impulse ausgingen, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit nunmehr 600 Jahren werden hier Weine gekeltert. Seit dem 19. Jahrhundert gehört das Weingut Tignanello der Familie Marchesi Antinori

Sie möchten einmal in den Genuss eines Tignanello 2013 oder eines anderen Jahrgangs des vollmundigen Supertoskaners kommen? Im Onlineshop von Mondovino sowie in den Coop-Verkaufsstellen finden Sie die gesuchte Flasche und können einen hochwertigen Tignanello kaufen, der sein Geld mehr als wert ist.