Deutsche Weine: Genuss und Tradition nördlich der Alpen

Wein aus Deutschland? Das erregte bis vor nicht allzu langer Zeit bei Kennern grosse Skepsis. Denn noch in den 1980er-Jahren setzten deutschen Winzer vor allem auf Masse und die süssliche Liebfrauenmilch. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Sowohl Weingüter des Spitzensegments als auch solche, die für den breiten Markt produzieren, bestehen im europäischen Vergleich. Das gilt nicht allein für den Riesling.

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An den Hängen Rhein, Mosel und Neckar

Die klassischen Anbauregionen für deutsche Weine befinden sich im Südwesten. An den Hängen von Rhein, Mosel und Neckar sowie ihren Zuflüsse liegen die wichtigsten Weingüter des Landes. Nur die Weinbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen liegen in der Mitte Deutschlands. Insgesamt tragen 13 Anbaugebiete das Siegel Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete (Q.b.A). Das grösste bildet Rheinhessen mit rund 27.000 Hektar (Stand 2014).

Die deutschen Weinanbaugebiete im Überblick:

  • Rheinhessen: 26.563 Hektar
  • Pfalz: 23.592 Hektar
  • Baden: 15.818 Hektar
  • Württemberg: 11.343 Hektar
  • Mosel: 8.792 Hektar
  • Franken: 6.124 Hektar
  • Nahe: 4.202 Hektar
  • Rheingau: 3.167 Hektar
  • Saale-Unstrut: 760 Hektar
  • Ahr: 564 Hektar
  • Sachsen: 502 Hektar
  • Mittelrhein: 468 Hektar
  • Hessische Bergstrasse: 452 Hektar

Auswirkungen des Klimas auf den deutschen Wein

Deutschland bietet weniger Sonnenscheinstunden und die Temperaturen sind niedriger als in den klassischen europäischen Weinländern Frankreich, Italien und Spanien. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Reben und den Wein aus Deutschland. Durch die geringere Sonneneinstrahlung benötigen die Trauben eine längere Reifezeit. Rebsorten, die im Süden Europas beheimatet sind, sind nördlich der Alpen selten anzutreffen. Die niedrigeren Temperaturen und die daraus resultierende längere Reifezeit bedingen, dass Weine aus Deutschland eher leicht, fruchtig und spritzig sind. Auch der Alkoholgehalt fällt im Vergleich mit südeuropäischen Weinen niedriger aus.

Diese Weissweinrebsorten dominieren in Deutschland

Das Klima ist ein entscheidender Grund dafür, warum in Deutschland auf etwa zwei Drittel der Rebflächen Weissweinrebsorten angebaut werden. Das Verhältnis ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Die wichtigste Rebsorte ist der Riesling.

Riesling (23.440 Hektar): Die robuste Weissweinrebe ist in Deutschland beheimatet und wird dort seit mehr als 500 Jahren angebaut. Sie ist heute in allen 13 deutschen Anbaugebieten (Q.b.A) vertreten. Riesling-Weine zeichnen sich durch einen hohen Säureanteil und fruchtige, harmonische Aromen aus. Besonders Prädikatsweine haben das Potenzial für eine sehr lange Haltbarkeit.

Müller-Thurgau (12.761 Hektar): Bei dieser Sorte handelt es sich um eine Neuzüchtung des Schweizers Hermann Müller-Thurgau aus Tägerwilen aus dem Jahr 1882. Er kreuzte Riesling und Madeleine Royale. Die Rebe ist ertragreiche bei vergleichsweise früher Reife. Im Vergleich zum Riesling zeichnen sich Müller-Thurgau-Weine durch mildere Säuren aus. Der Muskatton ist ebenfalls ein aromatisches Merkmal der Weine.

Grauburgunder (5.627 Hektar): Ausserhalb Deutschlands ist die Rebe vor allem unter der Bezeichnung Pinot Gris bekannt. Die frühreifende Traube wird in erster Linie in Rheinhessen, der Pfalz und Baden angebaut. Aus ihr werden leicht säurebetonte und fruchtige Weine vinifiziert. In der Regel werden Grauburgunder trocken oder halbtrocken ausgebaut. Süss ausgebaute Grauburgunder werden häufig als Ruländer bezeichnet.

Rotweine aus Deutschland

Der Ruf des deutschen Rotweins hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Sowohl Rotweine aus klassischen Sorten wie Spätburgunder als auch aus Neuzüchtungen – allen voran Dornfelder – können durchaus mit Weinen aus Frankreich und Italien mithalten.

Spätburgunder (11.783 Hektar): Spätburgunder, auch unter der Bezeichnung Pinot Noir bekannt, stellt hohe Ansprüche an den Anbau. Wenn diese erfüllt werden, entstehen vollmundige, aromatisch nuancierte und samtige Rotweine. Die mit Abstand grössten Rebflächen für Spätburgunder liegen im Anbaugebiet Baden. Durch sofortiges Abpressen können die Trauben auch weiss gekeltert werden.

Dornfelder (8.015 Hektar): Die Rebsorte wurde 1955 gezüchtet und ist nach Immanuel Dornfeld aus Weinsberg (Württemberg) benannt, dem Gründer der dortigen Weinbauschule. Der Siegeszug der Traube begann in den 1970er-Jahren, als Winzer das grosse Potenzial der robusten Rebsorte erkannten. Je nach Ausbau kann dieser deutsche Wein fruchtig sein oder die Tannine in den Vordergrund stellen. Bei tanninbetonten Weinen treten die Fruchtaromen eher in den Hintergrund.

Portugieser (3.469 Hektar): Aus dieser Rebsorte entstehen vergleichsweise tanninarme, fruchtige und leichte Rotweine mit eher geringem Alkoholgehalt. Die frühreifenden Trauben ergeben bereits nach kurzem Ausbau süffige Weine. Portugieser werden vor allem als leichte Begleiter zum Essen kredenzt. Die Trauben können auch zu einem Weissherbst (Roséwein) ausgebaut werden.