Weinmythen - die grossen Irrtümer über Wein

Es gibt Mythen um Weine und Schaumweine, die jeder kennt. Oft ist aber nicht klar, ob sie nun wahr sind oder nicht. Wir sammeln hier die bekanntesten Weinmythen und bringen für Sie Licht ins Dunkel.

Nur das Holzfass ist gut für den Wein

Viele der besten trockenen Weine der Welt werden im kleinen Holzfass ausgebaut. Diese Tatsache hat sich bei Weinliebhaber/-innen eingeprägt.

Alternativen zum Holzfass, wie etwa Würfel und Tankinnenverkleidungen aus Eichenholz, haben einen schlechten Ruf, weil sie vom Konsumenten oft als Täuschung wahrgenommen werden. Dabei haben die Holz-Alternativen einen klaren Zweck und Vorteil gegenüber dem Fass. Die Alternativen ermöglichen den beliebten Eichenholzgeschmack im Wein zu einem viel tieferen Preis. Ein kleines Holzfass kostet etwa 1'000 Franken, die Alternativen ein Vielfaches weniger. Auch ist mit Holzfässern die Arbeit im Keller sehr viel aufwändiger als mit Holz-Alternativen. Für Weine unter etwa zehn Franken, welche Eichenholzgeschmack aufweisen sollen, sind die Holz-Alternativen also ideal.

Mythos: Nicht ganz wahr

Ein Löffel im Schaumwein hält die Kohlensäure drin

Dies ist eine der hartnäckigsten Weinmythen. Es wird behauptet, dass die Kohlensäure länger in einer angebrochenen Flasche Schaumwein bleibt, wenn ein Teelöffel mit dem Stiel voran in die Flaschenöffnung gelegt wird.

Diese Methode kann aber gar nicht funktionieren. Ob Silber- oder Blechlöffel, ob Champagner oder Prosecco. Der Löffel bringt nichts. Nur zwei Dinge verlangsamen den Verlust von Kohlensäure. Erstens tiefe Temperaturen. Wein kann mehr Kohlensäure halten bei Kühlschrank- als bei Zimmertemperatur. Zweitens ein Verschluss. Dies kann ein Zapfen von stillem Wein oder auch ein Schaumweinverschluss sein. Wenn sie also Ihren Schaumwein auch noch nach ein paar Tagen prickelnd geniessen wollen, dann machen Sie Verschluss drauf und stellen Sie den Champagner oder Schaumwein n den Kühlschrank.

Mythos: Nicht wahr

Wein ist nur in Glasflaschen gut verpackt

Der klassische Behälter für Wein ist die Glasflasche. Diese hat aber Konkurrenz bekommen von einer Vielzahl von anderen Verpackungen, welche entweder umweltfreundlicher sind oder zur Verkaufsförderung eingesetzt werden.

Eine neue, ungewöhnliche Verpackung ist die Papierflasche aus rezykliertem Papier. Die Flasche wiegt nur 65 Gramm anstatt der ca. 400 Gramm einer Glasflasche. Mit leichteren Flaschen, wie eben der Papier- oder der PET-Flasche, wird beim Transport viel CO2 gespart. An Bord von Flugzeugen zum Beispiel werden die Weine in Kleinflaschen fast immer in PET angeboten, weil so viel Kerosin gespart wird. Verkaufsfördernde Verpackungen sind der Bag-in-Box, der Beutel, das Tetrapack oder die Dose. Diese Behälter ermöglichen die einfache Mitnahme von Wein zu einer Grillparty, einem Festival oder zu einem Picknick. Darin werden Weine abgefüllt, welche zu baldigem Verbrauch bestimmt sind. Eine längere Lagerung übersteht ein Wein am besten in Glas abgefüllt und dunkel und trocken aufbewahrt. Mehr zur Lagerung erfahren Sie hier.

Mythos: Halb wahr

Alter Bordeaux – eine gute Geldanlage?

Immer wieder erhalten die Mondovino-Experten Anfragen, was denn ältere, im Keller liegende Flaschen aus Bordeaux wert seien.

Tatsächlich sind die Preise und somit der Wert für die Weine von den bekanntesten Château aus Bordeaux zwischen den Jahren 2005 bis 2011 stark angestiegen, auch für ältere Jahrgänge. Jedoch sind die Preise in den letzten zwei Jahren wieder gefallen und noch wichtiger; es sind nur etwa fünfzig bekannte Produzenten, welche einen wirklichen Wertzuwachs erfahren haben. Diese Château waren auch vor 2005 nicht günstig. Ein günstiger Bordeaux wird sich auch in zwanzig Jahren nicht in eine wertvolle Flasche verwandeln. Für einen schnellen Überblick zum Marktpreis von Wein eignet sich die Seite: http://www.wine-searcher.com/ Falls Sie dort sehe, dass Sie einen wertvollen Wein im Keller haben, können Sie sich immer noch überlegen, ob Sie diesen lieber trinken oder verkaufen wollen.

Mythos: Halb wahr

Bordeaux und Burgund sind eher etwas für ältere Leute

Die beiden führenden Regionen für Spitzenweine, Burgund und Bordeaux, werden von jüngeren Weingeniesser/-innen oft gemieden. Es besteht das Vorurteil, dass diese Weine nur älteren Generationen schmecken.

Der Geschmack eines gereiften Spitzenweins ist allerdings für alle ein Genuss, unabhängig vom Alter. Die Hürden, welche es zu nehmen gibt, sind eher der hohe Preis dieser bekannten Weine sowie die Tatsache, dass viele der wirklichen Spitzenweine erst nach etwa zehn Jahren reif sind. Es braucht also ein grösseres Weinbudget und viel Geduld, um den wirklichen Geschmack der Weine dieser Regionen kennenzulernen. Deshalb bleiben diese Regionen wohl etwas für Liebhaber und Sammler.

Mythos: Nicht wahr

Bio-Wein kommt geschmacklich nicht an konventionellen Wein heran

Anscheinend gab es Zeiten, als Bio-Wein noch nicht so gut geschmeckt hat. Diese Zeiten sind jedoch längst vorbei.

Heute arbeitet die Elite der Wein-Welt nach biologischen Richtlinien oder ist in Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Beispiele sind die Domaine Romanée-Conti, Château Latour, Ridge,  Casa Lapostolle oder Giuseppe Quintarelli. Durch den Kauf von Bio-Wein leisten Sie einen Beitrag zu einer intakten Natur und einer grösseren Artenvielfalt. Ausserdem gibt es in biologisch produziertem Wein aufgrund der strengen Anbaurichtlinien garantiert keine Pestizidrückstände und die Weine enthalten meist weniger Schwefel als konventionelle Weine. Es gibt also gute Gründe, sich für Bio-Wein zu entscheiden.

Mythos: Nicht wahr

Es gibt nur eine korrekte Reihenfolge in der Degustation

In den meisten Weinverkostungen und auch während einem Essen werden Weine in der klassischen Reihenfolge Schaumwein, Weisswein, Roséwein, Rotwein, Süsswein degustiert.

Das macht grundsätzlich Sinn, weil so mehr oder weniger zuerst die leichteren und danach die schwereren Weine an die Reihe kommen. Das ist für den Gaumen am wenigsten anstrengend. Die Regeln zur Weinreihenfolge sind aber nicht in Stein gemeisselt. Wenn zwischen den einzelnen verkosteten Weinen genügend Zeit verstreicht oder der Gaumen zwischendurch mit Wasser erfrischt wird, kann die Reihenfolge beliebig gestaltet werden. Auch empfindet nicht jeder Mensch die gleichen Weine als schwer oder leicht und mag deshalb eine andere persönliche beste Reihenfolge an einer Weindegustation haben.

Mythos: Nicht wahr

Das eigene Urteil über den Wein zählt am meisten

Weinbewertungen sind wichtige Wegpunkte in der manchmal etwas unübersichtlichen Weinwelt. Eine Weinbewertung ist jedoch nie ganz objektiv, da der Bewertende unweigerlich seinen persönlichen Geschmack einfliessen lässt.

Ein Beispiel: Robert Parker vergibt dem Château Figeac 2008 nur 81/100 Punkten. Sein Kommentar: "Dünn und streng, mit vegetaler Aromatik, in den nächsten 7-8 Jahren trinken". Der bekannteste Bordeaux-Kritiker der Schweiz, René Gabriel, sieht es ganz anders. Er vergibt 19/20 Punkten und schreibt: "Ein Mund voll Wein im Gaumen, langlebiger Figeac der sicherlich einer der besten Kaufwerte darstellen wird, trinken von 2019 - 2035". Es ist also wichtig, die Bewertungen differenziert zu betrachten und vor allem nicht zu vergessen, dass das eigene Urteil am wichtigsten ist.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Prämierungen.

Mythos: Wahr

 

 

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