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Rund um den Rebberg

Jeden Winter, wenn der Saft in der Rebe nicht mehr steigt, werden die Triebe vom letzten Jahr gekürzt – die Rebe wird geschnitten.

Dies ist eine der wichtigsten Arbeiten jedes Winzers, weil dabei der potenzielle Ertrag und auch die voraussichtliche Traubenqualität des nächsten Jahrgangs bestimmt wird. Die Rechnung ist nicht schwierig: Pro Knospe, welche beim Rebschnitt am Stock belassen wird, sollte im Frühling ein Trieb wachsen und pro Trieb zwei Trauben. Mit der Erfahrung weiss der Winzer, wie viele Trauben sein Rebberg reifen lassen kann und er lässt nur entsprechend viele Knospen stehen. Gleichzeitig weiss der Winzer auch, wie viele neue Triebe im Frühling wachsen werden und er platziert die Knospen so, dass eine leicht zu bearbeitende Laubwand wächst, welche die Sonnenstrahlen optimal einfängt.

Die Lese

Die Wahl des Lesezeitpunkts ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Weinjahr, weil die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Trauben zu diesem Zeitpunkt für die Weinqualität prägend ist.

Idealerweise wird gelesen, wenn die Aromen und das Tannin optimal reif sind und sich Säure und Zucker in einem harmonischen Gleichgewicht befinden. Doch wie wird dieser Zeitpunkt bestimmt? Eine Faustregel sagt, dass Trauben 100 Tage nach Abschluss der Blüte reif sind. Das stimmt auch ungefähr, ist aber zu ungenau für eine so wichtige Entscheidung. Wenn die Trauben im Spätsommer weich werden und die grüne Farbe verlieren, wird zuerst wöchentlich und dann täglich eine Analyse von Zucker und Aroma aus genauen geplanten Stichproben gemacht. Diese Proben repräsentieren den Durchschnitt von Trauben in einem Rebberg, in dem man ernten will. Aufgrund der Messwerte wird dann der genaue Lesezeitpunkt festgelegt.
Die Wahl des Lesezeitpunkts ist trotzdem nicht ganz einfach. In der Regel weisen verschiedene Teile des Weinbergs unterschiedliche Reifegrade der Frucht auf. Dieser Effekt ist in einem heissen Jahr wie 2015 noch ausgeprägter. Zudem entwickelt sich der Zuckergehalt der Trauben bei viel Sonne und Hitze oft schneller als die Aromen und das Tannin. Ein weiterer Effekt von einem heissen und trockenen Sommer ist, dass der Reifezeitpunkt von verschiedenen Rebsorten näher zusammen rückt. Dies bedingt dann eine grössere Zahl von Erntehelfern und mehr gleichzeitig verfügbare Gärbehälter. Die Winzer sind also heuer besonders gefordert, die richtigen Lesetage festzulegen und gut voraus zu planen.

Handlese vs. maschinelle Lese?

Oft wird maschinelle Lese von Trauben mit minderwertigen Weinen in Verbindung gebracht. Die Handlese wird hingegen als Qualitätsmerkmal vieler Weine auf der Rücketikette speziell erwähnt.

Diese Vorurteile lassen sich durch seriöse Degustationen jedoch nicht bestätigen. Die Erntemethode hat im Vergleich zu Klima, Rebschnitt, Pflege des Rebbergs unter dem Jahr und dem Ausbau vom Wein im Keller einen recht kleinen Effekt auf die Qualität des Weins. Oft wird ja nur von Hand gelesen, weil eine maschinelle Lese aufgrund der Topografie nicht möglich ist oder weil die Maschinen zu teuer sind. Wichtiger für die Qualität des Traubenguts ist der Zeitpunkt der Lese. Grosse Rebberge werden zeitgenauer mit Maschinen gelesen, da grössere Flächen in kurzer Zeit gelesen werden können. Nicht jeder von Hand gelesene Wein muss also zwangsläufig gut schmecken.

Laubarbeit

Durch die Laubarbeit wird das Klima im Laubdach der Rebe beeinflusst. Dieses Mikroklima ist extrem wichtig für die Fähigkeit eines Rebbergs, gute Trauben und somit gute Weine hervorzubringen.

Zur Laubarbeit gehören das Ausbrechen überschüssiger Jungtriebe,  das Auslichten der Blätter in der Traubenzone, das Einschlaufen der Triebe zu einer Laubwand, das Entspitzen der Triebe ab einer gewissen Höhe der Laubwand und das Entfernen von Geiztrieben.  Der Winzer ist also während der gesamten Wachstumsperiode der Rebe damit beschäftigt, die Triebe und Blätter der Rebe so zu verwalten, dass die meisten Blätter direktes Sonnenlicht haben und das Verhältnis zwischen Laubfläche und Traubenmenge stimmt.  Nur unter optimalen fotosynthetischen Bedingungen aller grünen Rebteile können hochwertige Trauben heranreifen.

Die Unterlagsrebe – Schutz vor der Reblaus und mehr

Die Reblaus wurde in den 1860er Jahren unbemerkt aus Amerika nach Europa importiert und hat in den nachfolgenden 20 Jahren zehntausende von Hektar Rebberge zerstört.

Diese wurden wieder aufgebaut, nachdem die einheimischen Rebsorten auf amerikanische Unterlagsreben gepfropft wurden, welche resistent sind gegen die Reblaus. Die wichtigste Eigenschaft bei der Wahl der Unterlagsrebe ist also die Widerstandsfähigkeit gegen die Reblaus. Zudem soll die Reben-Unterlage Kombination ein gutes Mostgewicht und optimale, ausgeglichene Erträge bringen. Dazu muss von den duzenden erhältlichen Unterlagsreben sorgfältig ausgewählt werden. Dabei wird auf Wuchskraft, Winterfrosthärte, Salztoleranz, Trockenheitsresistenz und das Nährstoffaufnahmevermögen geachtet. Nur die optimale Kombination von Unterlage und Edelrebe wird gute Trauben liefern.

Wie viel kostet ein Rebberg?

Wie macht man ein kleines Vermögen im Weinbau? Man investiert ein grosses Vermögen! Dieses Sprichwort macht deutlich, wie teuer ein Rebberg sein kann.

Ein Hektar (10'000 Quadratmeter) Rebberg kann in einer bekannten Regionen und Lage, wie zum Beispiel einer Grand Cru Lage in der Champagne, über eine Million Franken kosten. In weniger bekannten Regionen, welche eventuell sogar Probleme mit Überproduktion haben, geht der Preis pro Hektar bis auf zehntausend Franken runter. Das ist weniger, als es kostet einen Hektar Rebland neu zu erschliessen. Dies kostet nämlich je nach Region zwischen dreissig- und fünfundsiebzig Tausend Franken. Darin inbegriffen sind Kosten für das Land, Reben zum Pflanzen, ein Erziehungssystem für die Reben und Bewässerung.

Was wächst zwischen den Rebzeilen

Zwischen den Rebzeilen werden heute meistens Grünpflanzen eingesäht. Bis vor 10 Jahren war es noch üblich mit Herbiziden einzugreifen und alles, was wuchs ausser den Reben, auszuschalten.

Dies hat oft zu Erosionsproblemen geführt, da zwischen den Rebzeilen keine Pflanzenwurzeln da waren, um bei starken Regenfällen den Boden zu halten. Neben der Bodenbedeckung bringt die Begrünung noch andere Vorteile. Wenn die Pflanzen gemäht oder eingepflügt werden, entsteht bei deren Zersetzung Humus und Stickstoff, was für das Rebenwachstum förderlich ist. Die Begrünung hilft auch, in einem feuchten Frühling das Wasser aus dem Boden zu verdunsten. Damit kann die Wasserverfügbarkeit für die Reben gesteuert werden und so eine schnellere Reife der Trauben herbeigeführt werden. Dies steigert die Qualität der Trauben und somit des Weins in Jahren mit viel Regen.

Klimaerwärmung

Die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Rebbau sind unbestritten. Kühle Gebiete wie zum Beispiel die Mosel, wo früher in vielen Jahren die Trauben kaum ausreiften, bringen heute Jahr für Jahr gute Qualitäten hervor.

Bis im Jahr 2050 wird mit einer weiteren durchschnittlichen Erwärmung von 1 bis 2 C0 in Rebbaugebieten gerechnet. Dies würde den Verlust von weltweit 25 bis 70 % der aktuell bepflanzten Rebflächen bedeuten. Grosse Teile der Toskana oder des Bordeaux etwa würden zu heiss und zu trocken für die Produktion von Spitzenweinen. Der auf dem Gebiet der Klimaerwärmung im Rebbau führende Önologie-Professor Dr. Gregory Jones von der Southern Oregon University stellt die Frage: 'wird überhaupt eine etablierte Weinregion weiterhin denselben Weinstil produzieren können?'. Auf der Suche nach künftig geeigneten Reblagen müssen Produzenten neue Gebiete erschliessen. Dies wird auch gemacht, in höheren Lagen zum Beispiel. Die Weinproduzenten sind aktiv und innovativ. Wir dürfen auch in Zukunft mit hervorragenden Weinen rechnen, wenn vielleicht auch nicht aus den altbekannten Gebieten.

Gibt es die Reblaus noch?

Die Reblaus, ein gerade mal 1 Millimeter kleines Insekt, wurde in den 1860er-Jahren unbemerkt aus Amerika nach Europa importiert und hat in den folgenden 20 Jahren Zehntausende von Hektaren Rebberge zerstört.

Die Rebe stirbt nicht direkt vom Befall der Reblaus, sondern durch Pilzbefall der Wurzeln, der aufgrund der Verletzung durch die Reblaus entsteht. Wenn sich die Reblaus einmal in einem Rebberg eingenistet hat, kann sie nicht entfernt werden, ausser, man reisst alle Rebstöcke aus. Die Laus wird hauptsächlich durch Maschinen, Erde und Stecklinge in neue Rebberge geschleppt. Da vor allem Stecklinge aus Europa in die ganze Welt exportiert wurden, ist die Reblaus heute in allen Weinbauländern, ausser in Chile, verbreitet. Die Rebberge bestehen aber weiterhin, weil die einhemischen Rebsorten heutzutage auf resistente amerikanische Unterlagsreben gepfropft werden.