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Alois Lageder

In Norditalien ist Alois Lageder Pionier des biologisch-dynamischen Weinbaus im Südtirol – oder Alto Adige auf Italienisch –, wo die an den Hängen der Dolomiten wachsenden Reben zum sogenannten «Heroischen Weinbau» gehören.

Wie Marie-Thérèse Chappaz im Wallis, Elisabetta Foradori im Trentino oder Lalou Bize-Leroy im Burgund wird Alois Lageder von allen vorbehaltslos anerkannt. Der Winzer strahlt eine Klasse und Vornehmheit von seltener Eleganz aus. Und seine Weine ebenso!

Ich treffe Alois Lageder seit langem regelmässig an der Internationalen Weinakademie und hatte auch schon mehrmals Gelegenheit, seine Weinkellerei zu besuchen. Zudem nahm ich an der grossartigen Weinmesse SUMMA teil, die er mit grossem Fachwissen auf seinem Weingut in Margreid bei Bozen organisiert. Die Messe ist der ideale Ort, um mit Produzenten biologischer oder biologisch-dynamischer Weine in Kontakt zu kommen. Sie findet dieses Jahr am 14./15. April zum 21. Mal statt. (https://summa-al.eu). Ein Anlass, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Exklusives Interview mit Alois Lageder für Coop Mondovino.

José Vouillamoz : Du warst der Pionier der Biodynamik in Südtirol, wie wurde es wahrgenommen, und hast du heute andere Produzenten ins Grübeln gebracht?

Alois Lageder : In der zweiten Hälfte der 90er Jahre haben wir aktiv an der Umstellung auf biologsich-dynamische Wirtschaftsweise gearbeitet und 2004 beschlossen in folgenden drei Jahren den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb von über 50 Hektar umzustellen. Für uns eine große Herausforderung, verbunden mit einer klaren Außenseiterrolle im Südtiroler Weinbau.

In den Anfangsjahren sind wir bei den anderen Weinbauern auf viel Skepsis gestoßen, und wir waren überrascht, dass wir trotz guter Erfolge kaum andere zu diesem Schritt bewegen konnten.

Nachdem wir viel Erfahrung sammeln konnten und zuversichtlich und sicher waren, dass wir die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise gut im Griff haben und unter schwierigen klimatischen Voraussetzungen gute Resultate erzielen, haben wir 2012 beschlossen, ein zweites biodynamisches Projekt mit unseren Winzerpartnern zu starten. Seit Generationen ist es in Südtirol Brauch mit vielen kleinen Winzerbetrieben zusammenzuarbeiten und deren Trauben zu keltern und die Weine zu vermarkten. In unserem Weingut kooperieren wir mit rund 80 Partnern, die uns Trauben von 100 Hektaren übergeben.

Nach Einführungskursen über die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, häufigen Flurbegehungen und vielen Gesprächen und infolge der Zurverfügungstellung unseres Knowhows haben sich in diesen letzten Jahren viele Weinbauern entschlossen unserem Weg zu folgen. Heute sind bereits über 50% der Weinberge, von denen wir die Trauben übernehmen, auf biologisch-dynamische und biologische Landwirtschaft umgestellt und in Umstellung.

Wir erachten diese Entwicklung als einen großen Erfolg, Das gute Beispiel, lebendige, leuchtende Weinberge, die von den anderen heute als solche wahrgenommen werden, sehen wir als die Hauptgründe für dieses Resultat.

José Vouillamoz : Die Fackel geht jetzt mit Deinem Sohn Clemens an die neue Generation, was sind die Herausforderungen?

Alois Lageder : Als Clemens vor drei Jahren beschlossen hat nun aktiv in das Geschäftsführung des Weingutes einzusteigen, haben wir uns intensiv mit der Ist-Situation und der zukünftigen Entwicklung unseres Unternehmens und des Weinbaus in Südtirol im Allgemeinen auseinandergesetzt.

Als Vision haben wir definiert, dass das Weingut den Fokus auf den Südtiroler Weinbau legt, dass wir einen Qualitätssprung schaffen wollen, dass wir ein Team aufbauen wollen, welches innovativ und kreativ sich den Herausforderungen stellt und eine intensive Entwicklungs- und Forschungsarbeit leistet.

1) Von den Herausforderungen erachten wir die Klimaveränderung, mit der wir uns seit 30 Jahren beschäftigen und die wir seit über zwanzig Jahren mehr und mehr wahrnehmen, als die größte. Mitte der Achtziger Jahre haben wir begonnen in Zusammenarbeit mit meinem verstorbenen Freund Rainer Zierock Rebsorten versuchsweise anzubauen, die einerseits aus heißen Weinanbaugebieten kommen und andererseits vergessene, lokale Rebsorten, immer mit dem Ziel, für die veränderten klimatischen Verhältnisse Rebsorten zu finden, die sich durch hohe Säurewerte und durch eine gute Resistenz gegenüber Fäulnis auszeichnen, also klein- und lockerbeerige Trauben mir dicken Schalen.

2) Eine andere Herausforderung, der wir uns stellen müssen ist der Aufbau einer größeren Biodiversität, von der Begründer der Biodynamik Rudolf Steiner spricht und die die Voraussetzung ist für gesunde, harmonisch wachsende Pflanzen mit nahrhaften Früchten. Die intensiven Monokulturen gilt es aufzubrechen, diese führen im Wein- und Obstbau immer mehr in eine Sackgasse.

3) Wir fühlen uns auf verpflichtet Wege zu finden um auf Kupfer und Schwefel, zwei Elemente der Natur, die wir heute im biologischen und biodynamischen Weinbau verwenden können, zu verzichten oder zumindest stark zu reduzieren.

4) In Südtirol sehe ich es, mehr noch als in anderen Gebieten, als eine Chance und eine Notwendigkeit die gesamte Landwirtschaft auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen.

José Vouillamoz : Ich zählte ungefähr 20 verschiedene Rebsorten in den Weinen Deines Kellers, macht die Vielfalt die Identität oder das Risiko im Gegenteil, um die Botschaft zu ertränken?

Alois Lageder : So sehr es einleuchtet, dass es grundsätzlich einfacher ist mit 1 Wein Identität zu schaffen, können wir uns in Südtirol nicht der Realität entziehen.

Die pedoklimatischen Voraussetzungen im Weinbau sind extrem unterschiedlich, wir bauen Reben an von 220 Metern Meereshöhe bis über 1.000 an, die Rebberge sind nach Süden, Osten und Westen ausgerichtet mit unterschiedlichster Sonneneinstrahlung und Pendenz, die Böden sind sehr unterschiedlich, vom Dolomit, über Prophyr zu Granit und Schiefer.

Dieser großen Unterschiede und vielfältigen Terroirs bewusst, haben wir in Südtirol in den letzten 150 Jahren begonnen für jeder Lage die geeignete Rebsorte zu finden, was zu einer Vielzahl von Rebsorten in unserem Sortiment geführt hat.

Wir haben damit umzugehen und dieses Charakteristikum als Identität und Besonderheit des Südtiroler Weins zu kommunizieren: Die Vielfalt Südtirols als unser Trumpf.

José Vouillamoz : Warum hast du Summa erstellt und was können Besucher erwarten?

Alois Lageder : Unser Weinfest Summa organisieren wir heuer zum 21. Mal. Es findet in unserem Weingut in Magreid statt, zeitgleich mit der Weinmesse Vinitaly im nahen Verona. Entstanden ist die Veranstaltung, die damals anderes hieß, auf Grund unserer Erfahrung, die wir in vielen Jahren, in welchen wir an der Vinitaly teilgenommen hatten, gesammelt hatten.

Wir wollen zwischenmenschliche Kontakte pflegen, diese sind aber an eine erfolgreichen, hektischen, überfüllten Weinmesse wie der Vinitaly nur schwer möglich. Aus diesem Grund haben wir damals beschlossen, den Gästen und Kunden, die nach Verona kommen, die Möglichkeit zu bieten in unserem Weingut zu kommen um in Ruhe unsere Weine zu verkosten und gemeinsam mit vielen anderen Partnern einige geruhsame und schöne Stunden zu verbringen.

Heute nehmen an Summa über 80 Weingüter aus vielen Weinbaugebieten weltweit teil. Mit ihnen teilen wir eine langjährige Freundschaft, gemeinsame Ziele, wir alle haben uns hoher Qualität verschrieben und viele arbeiten nach ökologischen Richtlinien.

Die zwei Tage erlauben den Gästen, sich mit den Winzern, die alle persönlich anwesend sind, zu unterhalten, deren Weine zu verkosten und sich mit anderen Fachgästen im Gespräch oder anlässlich geführter Weinproben über Wein und andere Themen  auseinander zu setzen.

Ihre Weinexpert, Dr José Vouillamoz

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