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1. Domaine Jean Chartron, Puligny-Montrachet

Seit 2004 führt der 45-jährige Jean-Michel Chartron das Familienunternehmen in Puligny-Montrachet in fünfter Generation.

Bei der Übernahme der Domaine wurde das Negociant-Geschäft verkauft , das heisst, dass nur noch eigene Weine gekeltert werden. „Wir haben das grosse Glück, über verschiedene Parzellen Rebland in ausgezeichneten Lagen zu verfügen. Das erlaubt uns, Weine von hoher Qualität zu produzieren“, erklärt Jean-Michel Chartron bei unserem Besuch. Zur Veranschaulichung die Namen einiger seiner insgesamt 17 Grand Crus- und Premiers Crus-Appellationen: Montrachet, Chevalier-Montrachet „Clos des Chevaliers“, Batard-Montrachet, Corton Charlemagne, Puligny-Montrachet „Clos de la Pucelle“ und Chassagne-Montrachet“Les Caillerets“. Die Domaine umfasst 13 Hektar Reben, deren Durchschnittsalter bei 40 Jahren liegt. Produziert werden über 90 Prozent Weissweine, mit denen immer wieder höchste Auszeichnungen eingeheimst werden. Die durchschnittliche Jahresproduktion liegt bei rund 60'000 Flaschen.

Nach einem Wirtschaftsstudium absolvierte Jean-Michel Chartron die Ausbildung zum Weinbautechniker. Diese erlaubte ihm, auch die Modernisierung des Betriebs im Weinbau und im Keller voranzutreiben. Auf die Frage nach seinem Lieblingswein antwortet er: „Der nächste Jahrgang“. Seinen ersten Kontakt mit Wein hatte er als sechsjähriger Knabe: „Mein Grossvater nahm mich mit in den Fasskeller und lernte mich zu degustieren und richtig auszuspucken“, erzählt er lachend. Das Degustieren und Mitverfolgen der Entwicklung seiner Weine fasziniert ihn auch heute noch am meisten. Diese und andere Geschichten über den Wein erzählt er denn auch am liebsten „im Kreis von sympathischen Menschen und in Begleitung einer Flasche Wein. Zum Beispiel einem Puligny-Montrachet ''Clos du Cailleret'', begleitet von einem reifen Ziegenkäse, pochierten Coquilles St. Jaques oder einer Blanquette de veau.“ Wein trinken bedeutet für ihn Genuss und soziales Erlebnis zugleich. Aufgeschlossen zeigt er sich für neue Erkenntnisse, die er gerne in seine Arbeiten integriert, jedoch ohne die Pflege der Traditionen aus den Augen zu lassen. So ist er denn auch überzeugt: Es wird nie gute Burgunderweine für die grosse Masse geben.“ Weinfreunden rät er deshalb: „Kaufen Sie lieber zwei, drei Flaschen sehr gute Weine statt sechs oder mehr Flaschen von durchschnittlicher Qualität.“   

Degustationskriterien bei Primeurweinen

Coop-Oenologe Jan Schwarzenbach erläutert einige der Kriterien bei der Degustation von Primeur-Weinen (In diesem Fall des Burgunder-Jahrgangs 2014, der im Frühling 2015 bei Coop im Subskriptionsangebot steht und im Herbst 2016 ausgeliefert wird). „Da die Weine erst rund zwei, drei Monate im Fass sind, hat die malolaktische Gärung noch nicht stattgefunden. Das heisst, in diesem Fall spielt die Nase bei der Degustation eine untergeordnete Rolle. Wichtig für die Beurteilung des Weins in diesem Stadium ist das Herausspüren von Finesse, Eleganz und Balance zwischen Säure und Struktur. Es geht auch darum Spannung, Kraft, Konzentration, Frische und die mineralischen Noten herauszuspüren. Wegdenken muss man sich die Hefe und den Schwefel und zu degustieren beginnt man immer mit den Rotweinen, da sonst die Säure der Weissweine den Gaumen zu stark beeinträchtigt.“ Spüren müsse man ob reife Tannine vorhanden sind, ob die Frucht und die Aromatik stimme, der Wein saftig ist und ob ein langer Abgang spürbar ist. „Mit einiger Erfahrung kann man dann das Potential eines Weins erahnen und diesen in die Schlussdegustation aufnehmen“, erklärt er. Natürlich gebe es Unterschiede für die Beurteilung je nachdem ob es Rotweine oder Weissweine seien, und auch die Besonderheiten der verschiedenen Appellationen spielten eine Rolle.  

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