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3. Domaine Michèle et Patrice Rion, Prémeaux

„Ah! Une belle année en 14...“ freuen sich Patrice Rion (58) und sein 31-jähriger Sohn Maxime, der seit 2007 in der Familiendomaine mitarbeitet.

„Im Herbst wurden wir von Rekordtemperaturen verwöhnt, die Weinlese fand unter der stark scheinenden Sonne statt, das Traubengut ist von exzellenter Qualität und auch die Menge stimmt nach einigen schwachen Jahren wieder“, erzählt Patrice Rion bei unserem Besuch. Die Domaine Rion umfasst 6 Hektaren eigene Reben. Dazugekauft werden Trauben von weiteren rund 6 Hektaren, ausschliesslich von Winzern, die die gleiche Philosophie verfolgen wie die Rions. Die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt zirka 100'000 Flaschen, davon sind 90 Prozent Rotwein. Die Lagen befinden sich ausschliesslich in Chambolle-Musigny und Nuits-Saint-Georges. Dazu bewirtschaftet die Familie noch die sich nicht in ihrem Besitz befindliche Lage „Les Cras“, die nördlich an Clos Vougeot grenzt.

Wie auf der Mehrzahl der Domaines im Burgund wird auch hier das meiste mit viel Handarbeit erledigt. So verabschiedet sich Sohn Maxime, der sein Oenologiestudium in Djion abgeschlossen und nachfolgend einige Stages auf  bekannten Weingütern im Burgund, im Bordelais und in Neuseeland absolviert hat, nach der Degustation in Richtung Rebberge. Der Winterschnitt ruft und wie andernorts werden auch hier die abgeschnittenen Triebe verbrannt, um allfällige Pilzkrankheiten zu eliminieren. Die Asche dient dann als Nährstoff für die Rebstöcke. Der Lieblingsplatz von Patrice Rion befindet sich hoch auf dem Hügel des „Clos des Argillières“ in Nuits-Saint-Georges. „Von dort kann ich auf unser Dorf hinunterblicken und sehe auf der anderen Seite bis zum Mont Blanc. Das ist immer wieder ein erhebender Anblick“, schwärmt er. Davon überzeugen kann ich mich leider nicht, denn es herrscht dichter Nebel.

Das Wetter animiert Patrice Rion, über Essen und Trinken zu sprechen. „ Ich freue mich schon auf heute Abend. Denn da steht ein währschafter Eintopf mit Fleisch und Gemüse auf dem Tisch. Dazu werden wir eine Flasche Nuits-Saint-Georges öffnen.“ What else? Zwar durfte er auch als Kind manchmal ein Schlückchen Wein probieren, immer aber hatte er auch etwas Angst im dunklen, feuchten Keller, erinnert er sich. Ende Januar findet im Burgund das traditionelle Winzerfest St. Vincent statt. Auf dieses und das Zusammentreffen mit vielen Freunden und Berufskollegen freut er sich ebenfalls. Neueinsteigern in Burgunderweine empfiehlt er mit nicht zu komplexen Weinen zu beginnen und hält fest: „Der beste Wein ist jener, der Ihnen am besten gefällt und nicht der Teuerste.“  

St. Vincent tournante

Seit 1938 findet im Burgund alljährlich am dritten Januar-Wochenende eines der schönsten Feste rund um den Wein statt: St. Vincent tournante. Der 1938 von der Confrérie des chevaliers du taste-vin ins Leben gerufene Anlass ist Messe, Prozession, Degustation und Zusammentreffen von Winzern und Weinfreunden zugleich. Zum ersten Mal ist 2015 eine Frau, Elisabeth Vincent, Präsidentin des Organisationskomitees. „Aus verschiedenen Gründen hatten wir nur neun Monate Zeit uns zu organisieren und nicht 18 Monate wie in früheren Jahren“ erklärt sie im Magazin Arts & Gastronomie Bourgogne. Die 71. Auflage von St. Vincent fand dieses Jahr am 24. Und 25. Januar in Gilly-lès-Cîteaux und Vougeot statt. 2014 wurden über 40'000 Besucher gezählt. Auch für viele Winzer ist der Anlass jedes Jahr einer der Höhepunkte. Man trifft Berufskollegen, diskutiert, degustiert und lacht viel miteinander. St. Vincent findet eine Woche vorher auch in Beaune statt. Die Burgunder verstehen es, nicht nur tolle Weine zu machen, sondern ebensolche Feste zu feiern.

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