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6. Domaine des Varoilles, Gevrey-Chambertin

Eine Flasche eines seiner wunderbaren Weine öffnen und sie mit Freunden geniessen ist für den 65-jährigen Schweizer Gilbert Hammel genauso faszinierend wie seine Arbeit im Rebberg und im Keller.

Er wohnt halb im Waadtland (Das Familienunternehmen Hammel SA hat seinen Sitz in Rolle) und halb in Gevrey-Chambertin. „Manchmal denke ich, dass es auch schön wäre in Südfrankreich zu wohnen. Denn ich liebe jene Gegend genauso wie den Genfersee und das Burgund. Und das Klima im Süden ist doch noch etwas lieblicher“, begründet Gilbert Hammel seine „kleine Träumerei“. An einem nebligen, feuchtkalten Tag führt er uns durch die Rebberge seiner Domaine, die zehn Hektar bester Lagen umfasst, zu 100 Prozent mit Pinot Noir bestockt ist und deren Jahresproduktion zwischen 40'000 und 50'000 Flaschen beträgt.

Am oberen Ende der 1er Cru-Lage „Clos de Varoilles“ steht ein kleines Häuschen. Das ist „la Maison des quatre heures“, wie es der Burgunder Schriftsteller und Historiker Gaston Roupnel liebevoll beschrieben hat. Ursprünglich diente es als Pausenraum bei den Arbeiten im Rebberg und bei der Ernte. Heute organisieren wir auch Degustationen mit Gruppen an diesem wunderschönen Platz, erzählt er auf dem Rundgang.

Die Erklärung warum uns der Schweizer Gilbert Hammel auf seinem Weingut in Geverey-Chambertin empfängt, geht ins Jahr 1990 zurück. Damals wurde der langjährige Degustator bei den Hospices de Beaune angefragt, ob er die Domaine des Varoilles nicht kaufen wolle. Er sagte zu und so ist er denn seit 24 Jahren auch Burgunder Winzer. Neben der grossen Investition für den Kauf der Domaine, investierte er nochmals massiv in die Rebberge und in die Modernisierung der Kellerei. „Das war nötig und hat sich ausbezahlt. Wir sind glücklich mit unseren Weinen, die nach vier bis fünf Jahren trinkreif sind, aber auch ein grosses Alterungspotential von mehreren Jahren haben“, bemerkt er nicht ohne Stolz.

Der ausgebildete Ökonom und Önologe verlangt eine sehr sorgfältige Arbeit in den Reben, bei der Auslese und dann auch im Keller: „Qualität ist uns wichtiger als Quantität und das verlangt grösste Aufmerksamkeit und Sorgfalt, vom Anfang im Rebberg bis zum Moment wo der Wein in Flaschen abgefüllt wird.“ Bei einer solchen Philosophie ist es kein Wunder, dass Gilbert Hammel 1996 als bester Waadtländer Degustator mit dem „Chapeau Noir“ ausgezeichnet wurde. „Das ist jeweils ein sehr anspruchsvoller Anlass und ich habe heute noch grosse Freude daran“, erzählt er bei einem Glas Wein. Ein perfekter Tag im Burgund ist für ihn dann, wenn er am Morgen im Rebberg oder Keller beschäftigt ist, gegen Abend dann mit seinen Hunden Birdie und  Charlie durch die Gegend streift und sich anschliessend eine Côte de boeuf in Begleitung eines Gevrey-Chambertin „Clos des Varoilles“ gönnt.

Das Burgund – beliebt und aktuell

Immer wieder beeindruckt von der Qualität der Weine, vor allem aber auch von der Tatsache, dass die Burgunder Winzer nicht nur von ihren Weinen, sondern mit Überzeugung für den Wein leben, zeigen sich Coop-Önologe Jan Schwarzenbach und die Weineinkäufer Caroline Dessort und Ludovic Zimmermann. „Dadurch das so viele Domaines im Burgund klein sind, leisten die Winzer viel Handarbeit. Für mich ist das noch echtes Handwerk“, meint Jan Schwarzenbach. Für Caroline Dessort ist die Verbindung zwischen der burgundischen Tradition und der Modernisierung erwähnenswert: „Auf jeder Domaine, die wir jeweils besuchen, stellen wir fest, dass jedes Jahr viele Arbeiten den neuen Erkenntnissen angepasst werden und dass sowohl in den Rebbergen wie auch in den Kellern viel investiert wird.“ Ludovic Zimmermann betont: „Das Burgund ist auch bezüglich der produzierten Menge nicht vergleichbar mit anderen Weinbauregionen. Das und die weltweite, grosse Nachfrage erklärt auch das teilweise gehobene Preisniveau.“

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