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Das Weinjahr 2016

2016 – ein couragierter, später Jahrgang. Für die Mehrzahl der Schweizer Winzer bedeutete dieser Jahrgang zunächst eine wirkliche Herausforderung im Frühling.

Dann eine echte Freude im Herbst und zu guter Letzt eine ziemlich späte Lese.

Letztlich begann alles mit dem Frost, der die Parzellen in den meisten Regionen – ausser im Tessin – heimgesucht, dort aber allgemein nur geringe Schäden verursacht hatte. Da der Frühling und der Frühsommer bis hin zur letzten Juliwoche ziemlich verregnet waren, wodurch sich das Risiko für Mehltau – vor allem in der Schweiz – deutlich erhöhte, mussten die Winzer die Entwicklung ihrer Weinbergsparzellen genauestens im Auge behalten. Besonders die «Bio»-Winzer haben in diesem Weinjahr viel Durchhaltevermögen bewiesen und bis Ende Juli mit grossem Einsatz und höchster Sorgfalt um ihre Ernte gekämpft.

Von der letzten Juliwoche an und bis zum Ende der Lese gab es dann statt Regen viel Sonnenschein, vor allem im Wallis und im Tessin. Somit konnten die Trauben an Reife aufholen und weitere negative Auswirkungen vermieden werden. Auch die Wahrscheinlichkeit für einen Krankheitsbefall der Reben reduzierte sich, was zur allgemeinen Erleichterung der Winzer beitrug. Im Wallis konnte sogar Traubenwelke – ein vorübergehender Reifestopp der Trauben aufgrund von Trockenstress – beobachtet werden. Die Traubenwelke ist ein Mechanismus, durch den sich der Rebstock vor dem Absterben schützt.

Was die Erntemenge betrifft, blickt die Schweiz auf vier recht ertragsschwache Jahrgänge – von 2012 bis 2015 – zurück. 2016 haben sich die Beeren im Frühling wirklich gut entwickelt, was sicherlich auch den Reserven zu verdanken war, die sich die Pflanzen bereits im Vorjahr angelegt hatten. Durch die Feuchtigkeit und die kühle Luft während der Blütezeit konnte die Produktion glücklicherweise ausgeglichen werden, so dass der Ernteertrag letztlich leicht über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre lag.

Die Lese begann in diesem Weinjahr schliesslich in allen Regionen Ende September und dauerte bis Ende Oktober, teilweise sogar bis Anfang November. In meinem Weingut im Wallis haben wir die letzten Trauben aus einer 800 Meter hohen Parzelle sogar erst am 8. November geerntet, ein absoluter Rekord! Selbstverständlich haben wir einige vollreife Trauben am Rebstock belassen, diese werden jedoch in den nächsten 2 Monaten ebenfalls geerntet.

Die Reifezeit der Trauben war in diesem Jahr folglich extrem lang, was sich äusserst vorteilhaft auf die Qualität der Weine auswirkt. Der Weinjahrgang 2016 war also im Vergleich zum «extrem schnellen» Jahrgang 2015 definitiv ein «sehr langsamer». Die Weine aus diesem Jahrgang präsentieren sich komplex, verfügen über eine schöne Balance, eine gute Säurestruktur und viel Eleganz und keinen übermässigen Alkoholgehalt – damit liegen sie voll im aktuellen Geschmackstrend der Weinliebhaber aus aller Welt. Angesichts des eher kühlen Mikroklimas der Schweiz tragen diese feinen Unterschiede der Weinjahrgänge zur aussergewöhnlichen Diversität bei, die unsere Weinberge und unsere Weine bieten.

Dezember 2016

Text: Gilles Besse