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Amigne

Die Rebsorte Amigne de Vétroz ist ein einzigartiges einheimisches Gewächs, welches eng mit dem Anbaugebiet von Vétroz im Wallis verbunden ist.

Die Winzer von Vétroz haben die Sorte zu ihrem Aushängeschild gemacht. Lange Zeit glaubten die Winzer von Vétroz, dass Amigne ein antike Rebsorte sei, welche im Zuge der Kolonisierung durch die alten Römer eingeführt worden sei. Diese Rebsorte fand in den Schriften des Columella oftmals Erwähnung unter dem Namen Vitis Aminea. Vom etymologischen Standpunkt her lässt sich daher leicht eine Verbindung zwischen Amigne und Aminea nachvollziehen. Vor kurzem hat Dr. José Vouillamoz eine gross angelegte Studie durchgeführt, in der er den Ursprung der Walliser Rebsorten mittels Genanalysen bestimmte. Aus dieser Studie ging, zum allgemeinen Erstaunen der Fachwelt, hervor, dass die Rebsorte Amigne ihren Ursprung im Wallis hat und eine entfernte Verwandtschaft mit dem Petit Meslier, einer Rebe aus der Champagne, aufweist. Nebenbei bemerkt hat José Vouillamoz dank schonungsloser Offenlegungen mittels DNA-Analyse zahlreiche empirische und ampelografische Erkenntnisse über den Haufen geworfen und das Wissen in Bezug auf zahlreiche Schweizer Rebsorten revolutioniert.

Aber zurück nach Vétroz, auf seinen Schiefer- und Moränenhang. Vor 20 Jahren wurde Amigne nur auf rund einem Dutzend Hektar angebaut (die Gemeindefläche beträgt 180 Hektar). Sechs weitere Hektar fanden sich auf den Terrassen des Zentralwallis verstreut. Heute wird er im Kanton Wallis auf 43 Hektar angebaut, davon 30 in Vétroz. Dies ist dem Fleiss und dem Willen der Winzer zu verdanken, die sich für ihre Rebsorte einsetzten. Sie waren echte Visionäre, da sie sich nicht leichtfertig der damals vorherrschenden Mode des Chardonnays oder anderer Merlot-Sorten hingaben und an ihre ureigene Rebsorte glaubten. Im Weinbau kann man eine Umstellung nicht so ohne Weiteres vornehmen und sich im Handumdrehen einem Trend anpassen. Wenn man Reben anpflanzt, ist das für 40 oder gar 50 Jahre, alleine vier Jahre dauert es bis zu ersten Weinlese, die Weinproduktion erfordert dann weitere ein bis zwei Jahre.

Der Wein war es auch, der die Einwohner von Vétroz davon überzeugte, dass ihre Zukunft im Amigne lag. Auf ihrer gemeinsamen Suche und bei der Degustation alter Jahrgänge, die älter als 10 Jahre waren, begriffen sie das qualitative Potenzial ihrer seltenen Kostbarkeit. Heute wird trockener, süsslicher und süsser Wein hergestellt. Um diese gut auseinanderhalten zu können, griffen sie auf das Symbol der Biene zurück: eine Biene für Wein mit einem Restzucker-Gehalt von bis zu 8 Gramm pro Liter, zwei Bienen von 9 bis 25 Gramm und drei Bienen darüber. Einige Winzer stellen auch «Grain Noble ConfidenCiel»-Wein her, der im Holzfass ausgebaut wird, um aussergewöhnliche und unsterbliche Süssweine zu erhalten.

Wenn es ein Gewächs gibt, das die Beziehung zwischen Boden und Mikroklima, mit anderen Worten die Beziehung zum Terroir, am ehesten auf den Punkt bringt, dann ist es der Amigne de Vétroz, der die Winzer von Vétroz mit seiner Sanftheit zu verführen wusste.

Text: Gilles Besse