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Kühne Kombinationen

Schoggi und Wein – ein Traumpaar? Ganz ehrlich: nicht wirklich. Dennoch gibt’s ein paar Kombinationen, die das Zeug zur Liebesehe haben. Eine Anleitung für Experimentierfreudige.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber: Schokolade ist ein echter Alptraum. Zumindest, wenn es um die Paarung mit Wein geht. Die ist nämlich ausgesprochen schwer.

Warum? Schokolade und Wein teilen nicht gerne das Rampenlicht. Beide sind von komplexen, starken Aromen geprägt, die sich gegenseitig von der Bühne schubsen. Beide enthalten Bitterstoffe – der Wein durch seine Tannine, die Schokolade durch den Kakao. Zusammen ergibt das bitter hoch zwei. Hinzu kommt, dass der Zucker in der Schokolade die Säure im Wein unangenehm hervorstechen lässt. Und zu allem Überfluss bleiben sie auch noch beide extrem lange am Gaumen. Das heisst keiner von beiden gibt nach.

Wie es trotz all dieser Widrigkeiten funktionieren kann? Mit einer simplen Faustregel: Der Wein sollte so viel Zucker und so wenig Tannin wie möglich besitzen. Dann haben Sie die besten Chancen. Weil’s aber dennoch schwierig bleibt, hier ein paar konkrete Tipps:

Dunkle Schokolade

Die hohe Schule. Denn dunkle Schokolade enthält naturgemäss die meisten Bitterstoffe. Wählen Sie darum einen sehr weichen, sehr süssen Wein. Ein Ruby Port etwa hüllt den Gaumen ein und steuert Aromen von roten Früchten bei, die sich mit Kakao gut vertragen. Ebenfalls denkbar sind Banyuls oder Maury, zwei rote Süssweine aus Frankreichs Süden.

Milchschokolade

Hier wird’s schon einfacher. Denn Milchschokolade enthält Fett. Dieses mildert die bitteren Aromen des Kakaos und baut dem Wein eine Brücke. Gut zu Milchschoggi passt beispielsweise ein Sherry aus der Pedro-Ximénez-Traube (kurz PX genannt) oder ein Süsswein des Sherry-Nachbarn Montilla-Moriles. Gemeinsam ist den zweien das intensive Aroma von Rosinen. Kann man sich zur Milchschoggi prima vorstellen, oder?

Weisse Schokolade

Weisse Schokolade ist genau genommen keine Schokolade, da sie keinen Kakao enthält, sondern nur Kakaobutter. Aber genau das ist von Vorteil, wenn man sie mit Wein kombinieren möchte. Denn über Bitterstoffe braucht man sich dabei nicht den Kopf zu zerbrechen. Die Rebsorte der Wahl zu weisser Schoggi: Muscat. Natürlich in süss, etwa ein Muscat de Beaumes-de-Venise aus Südfrankreich oder ein Moscato d’Asti aus dem Piemont, der den Gaumen prickelnd blank putzt.

Karamellschokolade

Bringt das Zeug zur Lieblingspaarung mit! Schokolade mit Karamell und süsse Tropfen mit karamelligen Noten harmonieren bestens – vorausgesetzt, der Karamell enthält ein wenig Salz. Das Ergebnis ist eine tolle Balance zwischen süss, salzig und bitter. Bevorzugte Weine: Vin Santo, Cream Sherry, Tawny Port oder Madeira.

Schoggikuchen

Ohne Witz: Dazu passt am besten ein Bier. Ein malziges Guinness ist meine Wahl.

Und zum Schluss rate ich Ihnen: Experimentieren Sie selber! Mit einem Tokajer etwa, einem lieblichen Rosé-Champagner, einem Recioto oder einem süssen kalifornischen Zinfandel. Die besten Paarungen entdeckt man oft durch Zufall.

Meine Wein-Empfehlungen:

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Text: Britta Wiegelmann