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Riesling - meine grosse Liebe

Begonnen sei mit einem Bekenntnis: Ich habe mich in den Riesling verliebt. Diese Weissweine schmecken (fast immer) einfach besser als andere Beispiele.

Gute Crus sind erfrischender und aromatischer als „Industrie-Sauvignon-Blanc“, eigenständiger als Allerwelts-Pinot-Grigio. Es gibt keine andere Traube, die präziser und wohlschmeckender die Böden in Wein zu übersetzen imstande ist. Weine von Schiefer-Unterlagen entwickeln eine völlige andere Aromatik und Geschmacksnoten als solche von Kalkböden. Diese Unterschiede machen den Riesling einzigartig, der zudem stilistisch von knochentrocken über restsüss bis zu edelsüss, von leicht bis schwer vinifiziert werden kann.

Trotz den unbestrittenen Vorzügen tun sich viele schwer mit der Rebsorte. Das liegt daran, dass sich die Weissweine durch eine markante Säure auszeichnen. Schweizer Konsumenten sind sich indes vor allem an eher säurearme Weine wie Chasselas und Riesling-Silvaner gewöhnt. Doch niemand sollte „Angst vor Säure“ haben. Diese wird vielfach durch einen gewissen Restzucker-Anteil gepuffert, aber in einer solchen Dosis, dass der Wein degustativ als trocken gilt. Der Konservator Säure macht aus Riesling einen langlebigen Wein. Die Sorte wird fälschlicherweise vielfach mit ausdruckslosen, lieblichen Gewächsen verbunden. Das war einmal in der Liebfrauenmilch-Ära gewesen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Zudem tut man sich schwer damit, dass viele Rieslinge aus Deutschland kommen. Dem grossen Nachbarn stösst gerade hierzulande weiterhin Skepsis entgegen - zu Unrecht. Die Heimat des Rieslings hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Qualitätssprung nach vorne gemacht und bietet derzeit meiner Meinung nach weltweit das beste Verhältnis von Genuss und Preis. Selbst für grosse Weine sind dreistellige Preise die Ausnahme. Man schaue sich diesbezüglich einmal im Burgund um. Richtig guten Riesling-Stoff findet man auch im günstigen Segment zwischen 15 und 20 Franken. Neben Deutschland zählen auch Österreich und das Elsass zu den Hotspots der Sorte.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, ist hin und weg. Dies zeigt ein Beispiel: Die Wirtschaft zum Neumarkt in Zürich hat innerhalb von drei Monaten 120 (!) Flaschen Lorch Riesling 2016 der deutschen Eva Fricke aus dem Rheingau - eine Mondovino-Exklusivität - verkauft. Auch mein Juni-Monatswein aus der „Edition Peter Keller“ ist der grossen Liebe gewidmet: Die talentierte Juliane Eller aus Rheinhessen hat aus dem Jahr 2017 einen trockenen, frischen, würzig-mineralischen Riesling gekeltert . Ein perfekter Einstieg in die schönste aller Weinwelten!

Peter Keller

Riesling-Empfehlungen:

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