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Die Zukunft ist weiblich

Winzerinnen sind heute in der Weinwelt präsent wie nie. Das war in der einstigen Männerdomäne noch vor kurzer Zeit nicht selbstverständlich.

Die Walliser Star-Winzerin Marie-Thérèse Chappaz etwa hatte es bei ihrem Start in den achtziger Jahren nicht leicht, in der Branche akzeptiert zu werden. Die Kellermeisterin des Thurgauer Schlossguts Bachtobel mit dem sinnigen Namen Ines Rebentrost wurde 1996 herablassend behandelt, als sie sich in der Fachhochschule Wädenswil nach einem Önologie-Studium erkundigt hatte.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, wenngleich die feminine Rolle in der Weltwelt weiterhin des öfters kritisch hinterfragt wird. Kann das vermeintlich schwache Geschlecht überhaupt exzellente Weine produzieren? Ist die Arbeit in Rebberg und Keller körperlich nicht zu anstrengend? Wer die Qualitäten vieler Winzerinnen vorurteilsfrei verkostet, stellt sich indessen solche Fragen gar nicht. Zu gut und zu überzeugend fallen die Resultate im Glas aus.

Die deutsche Winzerin Eva Vollmer aus Rheinhessen bringt ihre Sicht der Dinge auf den Punkt: «Die Frauen haben einen anderen Blick und andere Talente wie die Männer». Das ist gut so, denn Vielfalt belebt die Szene. Die engagierte Produzentin, die den Landschaftsbetrieb der Eltern zu einem Spitzenweingut umgekrempelt hat, keltert Weine mit Ecken und Kanten, mit Tiefe und Charakter. Diese Merkmale zeichnen auch meinen September-Monatswein für Mondovino aus, den handwerklich erzeugten Weissburgunder Edition Peter Keller 2017. Das Geniesser-Herz schlägt höher.

Eva Vollmer steht nicht alleine da. Seit vier Jahren führt Mondovino exklusiv die aussergewöhnlichen Rieslinge von Eva Fricke aus dem Rheingau. Die Deutsche hat ihr kleines Weingut von Null und ohne Hilfe von Mäzenen aufgebaut – dafür mit viel Herzblut und Engagement. Andere Frauen haben das Glück, einen bestehenden Betrieb weiterzuentwickeln wie etwa Silvia Heinrich aus dem österreichischen Burgenland. Sie hat ebenfalls bereits einmal eine Exklusivität für die Peter Keller Edition abgefüllt. Auch andere Winzerinnen beeindrucken mich dank ihren Leistungen. Etwa Filipa Pato aus Portugal, Amélie Berthaut aus dem Burgund oder Arianna Occhipinti aus Sizilien, um nur wenige Namen zu nennen. Sie bereichern mit ihren edlen Tropfen die Weinwelt und beweisen: Die Zukunft ist weiblich.

Peter Keller

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