Zurück zum Profil

Wie Vulkanböden die Weine prägen

Unterschiedliche Böden prägen den Wein. Nur vereinzelte Anbaugebiete liegen auf Vulkangestein. Ein Beispiel ist der Kaiserstuhl in der deutschen Region Baden.

Der Boden besteht aus Ton von verwittertem Vulkangestein. In der italienischen Basilicata gibt es im nordwestlichen Teil die nach einem erloschenen Vulkan benannte Region Vulture. Auf den Böden fühlt sich die Aglianico-Traube besonders wohl.

 

Auch die Reben für den berühmten Süsswein aus Ungarn, den Tokajer, wachsen auf einem vulkanischen Tonboden, der an den steilsten Hängen besonders dünn und karg ist. Der vulkanische Ursprung des Bodens und das Vorhandensein von vulkanischem Auswurf, dem Tuff, bringen einen hohen Gehalt an Spurenelementen mit sich. Die Folge ist, dass die Gewächse eine dezidierte mineralische Note annehmen. Der spanische DO-Bereich Lanzarote ist durch schwarze Böden geprägt. Dort wird vor allem die weisse Malvasia-Traube angebaut.

 

Auf Vulkangestein liegen die oberen Lagen des Ätnas auf Sizilien. Verschiedene Experten sind überzeugt, dass sich diese Böden perfekt für den Rebbau eignen. Die Rebberge bis zu 1200 Metern über Meer sind Wetterkapriolen und einem gelegentlich brodelnden Vulkan ausgesetzt. Trotz der südlichen Lage in Sizilien sind die Temperaturen eher kühl, begleitet von grossen Schwankungen zwischen Tag und Nacht. Doch in diesem Umfeld entstehen im Idealfall aussergewöhnliche Weine mit grosser Feinheit, Spannkraft und mineralischer Kühle.

 

Als weiterer Vorteil kommt dazu, dass die Produzenten am Ätna auf einheimische Rebsorten, die sonst nirgends angebaut werden, zählen können. Als Star hat sich dabei der spät reifende Nerello Mascalese erwiesen. Auch unser Monatswein im Januar, der Fatagione 2012 des Guts Cottanera, wird aus dieser ausdrucksstarken Varietät gekeltert. Aber auch weisse Sorten fühlen sich auf den mineralreichen Lavaböden wohl. Dazu gehören Carricante und Minella. Am Ätna ist viel in Bewegung geraten: eine Rückbesinnung auf traditionellen Werte und Rebsorten sowie ein viel versprechender Ausblick auf eine spannende Zukunft.

Peter Keller, Januar 2017