Zurück zum Profil

Toskana

Die Toskana ist ein Weinparadies. Das Anbaugebiet wird von einer Rebsorte geprägt: Sangiovese. Sie hat aber den einen oder anderen Nachteil zu verkraften.

Die Farbe des Weins kann nicht mit den intensiven Cabernet Sauvignon und Syrah mithalten, was viele fälschlicherweise mit weniger Qualität gleichsetzen. Das herbe Gewächs wird zuweilen von Säure und Tannin dominiert, was den Zugang nicht immer leichtmacht. Die Sorte reift spät, was zur Folge hat, dass sich eigentlich nur die besten Lagen für den Anbau eignen. Doch Sangiovese liefert im Idealfall überaus feine und spannende Weine ab.

Das ist etwa im Chianti Classico, wo der August-Wein aus der Edition Peter Keller herkommt, der Fall. Der berühmte Graf Bettino Ricasoli hat das noch berühmtere Chianti-Rezept formuliert, wonach der Wein stets aus 80 Prozent Sangiovese bestehen muss, ergänzt durch den roten Canaiolo und die weissen Trebbiano und Malvasia. Letztere sind heute verschwunden. Dafür dürfen die Produzenten auch Cabernet Sauvignon oder Merlot verwenden. Die hochwertigsten Weine stammen jedoch aus Montalcino. Für den Brunello ist nur der Sangiovese zugelassen. Das Gewächs braucht einige Jahre der Reife, bis es sich in bester Form zeigt. Brunelli sind sehr langlebig. Früher genussreif sind der Vino Nobile di Montepulciano. In der Maremma wiederum ist der Morellino heimisch, ein anderer Sangiovese-Klon.

Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, diesen Schatz aus der Toskana zu pflegen. Nicht alle Weinliebhaber tun sich leicht damit, denn der oft widergespenstige Sangiovese ist nicht jedermanns Darling. Wegen seinem herben Charakter ist es oft ein Wein mit Ecken und Kanten und keiner mit viel Schmelz und einem runden, sofort einnehmenden Charakter, den viele Konsumenten mögen. Die Weine sind aber charakterstark und lassen unweigerlich Erinnerungen an eine Bilderbuch-Landschaft aufkommen. Darum ist die Toskana ein begehrtes Reiseziel.

Der Sangiovese wird aber auch im benachbarten Umbrien, in den Marken, im Latium und auf der Insel Elba verbreitet angebaut. Die am häufigsten kultivierte Rotwein-Sorte Italiens nimmt mit rund 100'000 Hektaren 10% der gesamten Rebbau-Fläche des Landes ein. Dies verpflichtet. Neben vielen seelenlosen Weinen lohnt sich aber die Suche nach Trouvaillen – wie etwa den Chianti Classico Edition Peter Keller 2015 von Castello di Meleto.

Peter Keller, August 2018