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Syrah oder Shiraz: Der Weinstil entscheidet

Zu den grossen Rotwein-Sorten zählt zweifellos der Syrah. Die Varietät stammt aus dem mittleren französischen Rhônetal.

Die Rotwein-Sorten kommen nicht aus der Gegend um die Stadt Shiraz im heutigen Iran, wie lange Zeit vermutet worden war.

Richtig ist dagegen, dass die Traube in der Neuen Welt, also in Ländern wie Australien, USA oder Südafrika, auf den Namen Shiraz hört. Genetisch sind Syrah und Shiraz zwar absolut identisch, aber die ungleichen Zwillinge stellen zwei völlig unterschiedliche Weinausbau-Stile dar.

Beginnen wir im Heimat- und mit 70'000 Hektaren auch grössten Anbauland. Syrah-Weine aus Frankeich zeichnen sich durch einen würzigen, stoffigen, eleganten Stil aus. Der Name der Sorte erscheint dabei nicht auf der Etikette, denn die edlen Tropfen werden unter ihrer Herkunftsbezeichnungen vermarktet, also etwa unter Hermitage oder Côte-Rôtie, um die beiden bedeutendsten Appellationen im Rhônetal zu erwähnen. Es ist gar erlaubt, kleine Anteile von Weisswein, oftmals Viognier, beizufügen, um den Gewächsen mehr Frische und Eleganz zu verleihen. In Cornas ist dies jedoch nicht möglich. Völlig anders kommen die Weine aus der Neuen Welt daher. Unter einem Shiraz versteht man einen fruchtigen, tanninbetonten, konzentrierten, zugänglichen Wein. Die Gerbstoffe sind indes milder als bei den europäischen Beispielen. Das macht die Weine bereits in der Jugend zugänglich. Beiden (qualitativ hochwertigen) Syrah-Typen ist gemeinsam, dass sie sehr gut reifen können.
 

Dank der Vielseitigkeit, aber auch der Anpassungsfähigkeit findet man Syrah in vielen Anbaugebieten. In Europa ist es neben Frankreich namentlich Italien, Spanien und die Schweiz. Im Wallis entstehen dabei stoffige, elegante, fleischige Crus, die keinen Vergleich mit der Konkurrenz scheuen müssen. In der Neuen Welt gilt Australien als eigentliches Zugpferd. Down under liefert zudem zwei, drei Kultweine, um die sich die halbe Welt streitet: Grange von Penfolds, Hill of Grace von Henschke und Astralis von Clarendon Hills. Auch in Südafrika, Kalifornien und Chile fühlt sich die Rebsorte wohl. Dies führt dazu, dass sich das Angebot im Handel äusserst breit präsentiert. Neben den teuren Kultweinen aus der Neuen und Alten Welt findet man in jeder Preisklasse entsprechende Gewächse.

 

Peter Keller, Oktober 2016