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Italien

Wein ist vielfältig wie kein anderes Getränk. Das fängt bei den Farben an, rot, weiss, rosé und neuerdings orange, und endet bei den Weintypen: trocken, süss, schäumend, aufgespritet. Schauen wir einmal die Stilarten bei den trocken ausgebauten Roten, die ja den weitaus grössten Teil der weltweiten Produktion ausmachen, etwas genauer an.

Kraft oder Finesse? Das ist die Frage

Die Gewächse werdn, vereinfacht gesagt, in zwei Kategorien unterteilt, die fruchtigen und die würzigen, mineralischen, animalischen Beispiele. Innerhalb dieser beiden Gruppen ist dann zu unterscheiden, in welche Richtungen der Duft sich entwickelt und ob der Wein viel oder weniger Tannin aufweist. Zwei, drei Vorschläge: Edle Tropfen aus Cabernet Sauvignon oder aus dem spanischen Priorat tendieren zu schwarzbeerigen Aromen und viel Tannin. Weine wiederum, die weniger auf fruchtige Noten bauen und eher von Rauch, Tabak, Leder geprägt sind und viel Gerbstoff zeigen, findet man namentlich bei Weinen aus dem französischen Cahors oder aus der süditalienischen Sorte Aglianico. Weine aus dem Valpolicella sind schwarzbeerig, rund, geschmeidig, aber schwer.

Das Gewicht eines Weines zeigt sich einerseits in der Tanninstruktur und andererseits im Alkoholgehalt. Ein Valpolicella oder erst recht ein Amarone weisen gut und gerne einen Wert von 14,5% oder mehr auf. Die Gerbstoffe sind gut eingebaut und süsslich. Diesen Stil mögen viele Konsumenten, weil der Wein wenig Ecken und Kanten aufweist. Ähnliche Eigenschaften zeigen die Gewächse aus Primitivo, die oftmals noch mit einem mehr oder weniger grossen Restzucker-Gehalt aufwarten. Die Weine wirken oft schwer, kräftig, gar opulent, zumal die Säure eher am unteren Limit liegt.

Nach ein, zwei Gläsern hat man oft genug, weil die auf den ersten Blick attraktiven Weine relativ schnell ermüden. Mehr Trinkfreude versprechen Beispiele mit mehr Frische und Säure, die aber schlanker wirken. Sie bauen auf Eleganz und Finessen, was zwar die erste Annäherung etwas erschwert, aber beim zweiten Schluck eine grössere Vielschichtigkeit offenbart. Solch „leise“ Weine haben gegen „laute“ Vertreter in einer Blind-Degustation einen schweren Stand. Manchmal findet man einen Kompromiss: Der Monatswein Oktober, der Valpolicella Camporenzo 2014 der Azienda Monte Dall’Ora, ist zwar dicht und markant, aber zeichnet sich schon durch eine fast burgundische Eleganz aus.