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Ingrid Groiss

Wer von Wien mit dem Zug in Richtung Nordwesten fährt, landet bald einmal im Weinviertel. Je weiter man sich von der Metropole entfernt, desto weniger Personen sitzen im Bahnwagen. In der Ortschaft Breitenwaida steigt man dann als Einziger aus.

Hier, in einer sehr ländlichen und ruhigen Umgebung, ist Ingrid Groiss zu Hause. Ihr ist es namentlich zu verdanken, dass dieses Dorf wieder als Weinbauernort wahrgenommen wird. Nur noch drei Winzer kümmern sich um die Rebberge. Viele Junge ziehen weg oder arbeiten tagsüber in der Stadt.

Nicht so Ingrid Groiss. „Ich wollte immer Winzerin werden“, sagt die 37-Jährige. Heute führt sie die Familientradition fort, nachdem sie zuerst eine Tourismusschule besucht und ein Wirtschaftsstudium absolviert hatte. Ihre Berufung gehörte und gehört jedoch dem Wein. Noch wird Groiss als Geheimtipp gehandelt. In der Schweiz ist die Österreicherin nahezu unbekannt. Das dürfte sich indes schnell ändern, denn ihre Weine vermögen mit den besten Produzenten des Weinviertels, ja des ganzen Landes, problemlos Schritt zu halten. Dies beweist der Grüne Veltliner Reserve In der Schablau 2016 (siehe auch Monatswein November), der bei einer Blind-Verkostung des österreichischen Fachmagazins „A la carte“ in der Kategorie Reserveweine glorios gewonnen hat und mit 94 von möglichen 100 Punkten bewertet wurde.

Ingrid Groiss, die sich als leidenschaftlich und zielstrebig beschreibt, verfolgt eine geradlinige Philosophie. Die Qualität eines Weines entscheidet sich im Weingarten. Die wichtigste Arbeit bestehe darin, zu beobachten und erkennen, was ein Rebstock brauche, erklärt die Winzerin. Für sie ist ein nachhaltiger Umgang mit der Natur eine Selbstverständlichkeit. Die meisten Arbeiten geschehen von Hand, namentlich auch die Lese der Trauben. Groiss will zudem die Merkmale und Eigenschaften der einzelnen Lagen und Böden herausholen. „Jeder Wein spiegelt die Individualität der Böden, der Weingärten und Jahresverlauf wider“, lautet ihre Philosophie. Folglich und konsequenterweise greift Groiss so wenig wie nötig in den Vinifikationsprozess ein. Sie sieht sich als „Bewahrerin“ und nicht als „Macherin“.

Die önologischen Aushängeschilder der sympathischen Winzerin aus dem Weinviertel waren bisher in der Schweiz kaum erhältlich. Es lohnt sich, diese Trouvaillen zu entdecken. Für den Start bietet Mondovino den Grünen Veltliner Reserve In der Schablau „Edition Peter Keller“ 2016 sowie den Riesling Braitenpuechtorff 2016 an - zwei feine Entdeckungen zu unschlagbaren Preisen.

Peter Keller, November 2017