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Das Gold des Douro

Im portugiesischen Dourotal entstehen langlebige Portweine - aber auch vielschichtige, charaktervolle, trockene Gewächse. Vorreiter und –denker dieser Entwicklung sind die fünf "Douro Boys".

Die Szenerie ist atemberaubend schön. Vom Fluss ragen Rebberge steil in die Höhe. Vom Ufer bis zur Bergspitze werden öfters 400 Höhenmeter überwunden. Das Dourotal im Norden Portugals zählt ohne Übertreibung zu den eindrücklichsten und magischsten Weinanbaugebieten. Es ist die älteste, klassifizierte Appellation überhaupt: Bereits 1761 wurden die steilen und wertvollen Schieferlagen als Herkunftsgebiet des Portweins deklariert.

Das aufgespritete, süsse Gewächs ist denn auch für das Douro im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Das Wort steckt im Namen: Ouro bedeutet Gold. Es wäre allerdings zu einfach, die Weinregion auf den Port zu reduzieren. Seit gut 20 Jahren entstehen unter dem Label DOC Douro trockene Weine, vorwiegend in roter Farbe, gelegentlich aber auch in Weiss. Und es handelt sich um spannende Provenienzen, die sich nicht verstecken müssen.

Vorreiter dieser Entwicklung ist eine 2003 gegründete Gruppe von fünf Winzern, die sich "Douro Boys" nennt. Der Name wurde aus Spass gewählt, denn Boys stimmt natürlich schon länger nicht mehr. Es sind bestandene Männer, die fünf bedeutende Weingüter – oder Quintas, wie sie in Portugal heissen – führen. Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: "Wir wollen erreichen, dass die trockenen Weine aus dem Dourotal die gleiche Reputation und Anerkennung finden werden wie Ports", so das Motto. Die Pioniere tauschen sich regelmässig untereinander aus und veranstalten gemeinsame Veranstaltungen sowie Degustationen.

Die Gruppe setzt sich aus fünf Weingütern zusammen: Quinta do Vallado, Niepoort, Quinta do Crasto, Quinta Vale D.Maria sowie Quinta do Vale Meão.

Quinta do Vallado: Das Gut gehört den Cousins Francisco Ferreira und João Alvares Ribeiro. Die Beiden haben do Vallado zu einem der dynamischsten Betriebe im Douro entwickelt. Dem Gut ist ein romantisches Hotel angegliedert.

Niepoort: Der weinfanatische Dirk Niepoort machte das Gut weltbekannt bekannt. Er repräsentiert bereits die fünfte Generation. Neben Premiumweinen ist sein "Fabelhaft" ein zugänglicher Alltagswein, der (fast) allen gefällt.

Quinta do Crasto: Tomás und Miguel Roquette leiten das Weingut. Die Familie unternimmt grosse Anstrengungen, um die genetische Vielfalt der Weinberge zu bewahren. Portugal ist bekannt für seine unzähligen autochthonen Rebsorten, die einen eigentlichen Schatz darstellen. Grosses Potenzial zeigt der Quinta do Crasto Reserva Vinhas Velhas.

Quinta Vale D. Maria: Cristiano van Zeller gehört zu den wichtigsten Ambassadoren im Dourotal. Sein Weingut ist zwar klein, aber seine Weine sind gross und in zahlreichen Top-Restaurants rund um den Erdball zu finden. Sein Douro Tinto vereint Kraft, Konzentration und Eleganz.

Quinta do Vale Meão: Francisco Olazabal, der Chef von Quinta do Vale Meão, ist ein Vordenker des Douro-Weines. Er bewirtschaftet reinsortige Rebberge. Das ist untypisch, denn normalerweise finden sich in den Weingärten bunt gemischt unzählige Varietäten. Olazabal ist vor allem vom Touriga Nacional überzeugt, der Spitzenweine liefert. Sein 2011er erreichte Höchstbewertungen in der Weinpresse.

Auf dem Bild: Francisco Olazabal, Miquel Roquette, João Alvares Ribeiro, Dirk Niepoort und Cristiano van Zeller (v.l.n.r.), die Douro Boys.

Text: Peter Keller