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Auf der Suche nach Trouvaillen

Weine zu selektionieren ist eine spannende wie schwierige Aufgabe. Seit diesem Frühjahr füllen Spitzenwinzer aus dem In- und Ausland Trouvaillen für den NZZ Signaturwein ab. Ein Erfahrungsbericht

Das geschichtsträchtige Castello di Meleto liegt mitten im Chianti Classico, mit spektakulärer Aussicht auf die toskanischen Rebberge und Landschaft. Nüchterner geht es im Degustationsraum zu und her, wo zehn Muster mit verdeckter Etikette zur Verkostung bereit stehen. Ziel der Übung: einen Wein zu finden, der in die NZZ-Selektion der Signaturweine passt und exklusiv über Mondovino vertrieben wird. Am Schluss kommen drei Gewächse in die engere Auswahl, zwei Chianti Classico 2013 aus jeweils einer Einzellage sowie ein hochwertiger 2010er in Gran-Selezione-Qualität.

Nach nochmaliger Degustation der Weine in der Schweiz fiel meine Wahl auf den Chianti Classico aus der Lage Trebbio. Namentlich bei den Basisgewächsen zeigt sich die Meisterschaft eines Guts. Zudem lässt sich mit dem Cru eine interessante Geschichte erzählen. Meleto besitzt eine Fläche von 1100 Hektaren. Das meiste ist Wald. Die verschiedenen Rebberg-Lagen liegen auf unterschiedlichen Höhen. Der NZZ-Chianti kommt im März 2016 auf den Markt.

Bereits erhältlich ist der Vidal Signaturwein Peter Keller 2014. Die endgültige Version wurde direkt im Weinkeller des Zürcher Produzenten Zweifel assembliert. Kellermeister Urs Zweifel stellte verschiedene Cuvées aus unterschiedlichen Stahltanks zusammen, die ich dann degustierte. Schliesslich zeigte es sich, dass ein kleiner Anteil Sauvignon blanc dem säurebetonten Vidal mehr Aromatik und Komplexität verleiht. Entstanden ist ein frischer, gradliniger Weisswein ohne jegliche Allüren.

Höhepunkt der bisherigen Selektionen war der Besuch bei Sabine Steiner in Schernelz am Bielersee. Sie präsentierte zwar nur zwei Beispiele. Aber eines davon hatte die Winzerin zum ersten Mal produziert. Mit sicherer Nase entschied ich mich für dieses Muster, ein hochkarätiger und rarer Sauvignon blanc aus einer Einzellage, der seit Anfang November in einer Auflage von lediglich 200 Flaschen zu haben ist.

Besuche auf Weingütern geben zudem ein gutes Bild davon, wie der Winzer, die Winzerin arbeitet. Man lernt die Personen kennen, die hinter dem Produkt stehen, und erfährt vieles zu ihren Gedanken und Phiosophien. Leider ist nicht immer ein Besuch möglich. Doch gelegentlich scheuen die Produzenten keinen Aufwand. So brachte Silvia Heinrich aus dem österreichischen Burgenland, die ich indes seit Jahren kenne, drei Fassmuster in die Schweiz mit. Nach der Verkostung war klar, dass der Inhalt der dritten Flasche am besten meinen Vorstellungen eines Signaturweines entsprach: Es war ein sortentypischer und gelungener, im Holz ausgebauter Blaufränkisch.

Text: Peter Keller