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Was Australien von Europa unterscheidet

Australien zählt eine Rebfläche von rund 160'000 Hektaren. Fast 60% davon sind mit roten Sorten bestockt. Syrah, in der Neuen Welt Shiraz genannt, Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot noir spielen die Hauptrolle.

Der allgegenwärtige Chardonnay dominiert bei den Weissen, bei denen auch Sémillon, Sauvignon blanc und Riesling in mehr oder weniger grösserem Stil kultiviert werden.

Das sind Trauben, die alle ursprünglich aus Europa stammen. In der Alten Welt wird im Qualitätsweinbau die Herkunft eines Weines ultimativ in den Vordergrund gestellt, die Einzellage ist das A und O. Ein Pinot noir etwa aus der Burgunder-Appellation Gevrey-Chambertin schmeckt anders als ein Beispiel aus dem benachbarten Chambolle-Musigny. In Down under dagegen ist der Wein mehrheitlich Ausdruck der Rebsorte(n). Das Gewächs kommt als Pinot noir, Shiraz oder Chardonnay auf den Markt. Die Trauben können dabei aus verschiedenen Anbaugebieten stammen. Selbst der berühmte Grange von Penfolds ist ein sogenannter Multi-District-Blend. Selbstverständlich gibt es auch Gewächse aus Einzellagen, namentlich von kleineren und mittleren Betrieben.

Der australische Weinbau ist indes stark von Konzernen geprägt und unterscheidet sich damit auch diesbezüglich von Europa. 80 bis 90 Prozent der Produktion (je nach Zahlen) stammt von Grossunternehmen wie Constellation (Marken wie Hardys), Pernod Ricard (Jacob’s Creek), Casella (Yellow Tail) oder Foster’s (Penfolds, Lindemans). Die kapitalstarke Industrie achtet darauf, dass Qualität und Preis im richtigen Verhältnis stehen. Die Standardqualitäten kommen in Millionen-Auflage zu tiefen Preisen auf den Markt.

Es ist keine Diskussion darüber, dass der technische Standard in Australien hoch ist. Das gilt für die Kellertechnik wie für den Weinbau. Die Trauben werden grösstenteils mechanisch gelesen. In Europa ist Handlese für viele Qualitätsweine vorgeschrieben. Auch die Erträge dürfen gewisse Grenzen nicht überschreiten. Dagegen gibt es in Australien keine gesetzlichen Mengenbeschränkungen. Die Chaptalisation, also die Aufzuckerung des Mostes, ist jedoch im Gegensatz zur Alten Welt nicht gestattet. Dafür dürfen den Weinen in Down under Säure zugesetzt werden.

Zwar kommen viele massentaugliche, korrekt produzierte Tropfen aus Australien auf den Markt. Aber das Land legt auch viel Wert auf hochwertige Gewächse, die international für Aufsehen und Furore sorgen. Oft sind es wegen des warmen Klimas kraftvolle Beispiele. Aus kühleren Anbaugebieten wie etwa in Westaustralien sind jedoch zunehmend auch elegante Weine zu finden. Der Monatswein Mai stammt aus dem Barossa Valley, einem der klassischen Anbaugebiete Australiens. Der Plexus 2013 von John Duval Wines ist trotz aller Konzentration auch elegant und nicht opulent.

Peter Keller, Mai 2017