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Subskription Bordeaux nouveau

2015 ist nicht zuletzt darum ein grosses Bordeauxjahr, weil auch hunderte, so genannte kleinere Weine ausgezeichnet gelungen sind.

«In kleinen Jahren kauft der Kluge grosse Bordeaux und in grossen kleine, geht eine alte Bordeaux-Regel.»
Ich freue mich daher besonders, Ihnen eine (zu) kleine Selektion solcher Weine präsentieren zu können. Wir wollten ihnen dabei nicht einfach die Besten aussuchen, sondern einen Querschnitt durch Stile und unbekannte Appellationen geben, die vom geschmeidigen Castillon über einen kernigen Blaye oder Graves zu einem Margaux auf Grand Cru Niveau reicht. Es handelt sich (mit einer Ausnahme) um Weine von Winzern, die ich teils seit einem halben Jahrhundert kenne und verfolge. Erfahrung und Wein haben eins gemeinsam:  beide sind zum Teilen da.

Rolf Bichsel

Galerie

  • Château Brondelle

  • Château Deyrem Valentin

  • Château Grand-Maison

  • Château les Jonqueyres

  • Château Moulin de Clotte

Château Brondelle

Jean-Noël Belloc ist ein Vollblutwinzer, der die Pionierarbeit seines Vaters konsequent fortgesetzt hat und Weinbau als präzises Kunsthandwerk betreibt.

Die Graves im Süden von Bordeaux gehören zu den ältesten Anbaugebieten von Bordeaux. Und zu den verkanntesten. Letzteres gilt noch mehr für Besitzer und Weinmacher Jean Noël Belloc. Als Jean Louis Turtaut, Jean Noëls Grossvater, Château Brondelle 1927 erwarb, wuchsen da keine Reben mehr, obschon das Gut vor der Reblauskrise einen guten Ruf besessen hatte. Vorerst setzte Turtaut daher auf Viehzucht und pflanzte Tabak an. Mit Reben bestockte er gerade zweieinhalb Hektar der unfruchtbarsten Böden. Ab 1968 vergrösserte Schwiegersohn Roger Belloc den Rebgarten auf 8 Hektar ausgezeichneter Kiesböden (Graves), die der Region den Namen gegeben haben. Jean-Noël Belloc, der das Familiengut seit 1994 leitet, brachte den Betrieb schrittweise auf total 65 Hektar, mit Reben in den Appellationen Bordeaux Supérieur, Sauternes und Pessac Léognan. Herzstück des stolzen Unternehmens ist und bleibt aber Château Brondelle mit seinen 20 Hektar Reben, die sich rund um das Château verteilen. Sie ergeben zwei Weisswein- und zwei Rotweincuvées. Der rote Grand Vin, die Spitzencuvée, stammt von drei Hektar ausgesuchter Reblagen und unterliegt einer besonders strengen Selektion.

Château Deyrem Valentin

Christelle Sorge arbeitet seit 1996 an der Seite ihres Vaters Jean auf dem Familiengut Deyrem Valentin, eine der letzten echten Perlen in Margaux, der Hochburg klassierter Güter.

Christelle Sorge wusste schon früh, was sie werden wollte. Sie studierte Önologie in Bordeaux und bereicherte ihre Weinkenntnisse durch Aufenthalte in Chile und Australien. 1999 kelterte sie ihren ersten Jahrgang im Alleingang und übernahm die technische Leitung von Château Deyrem Valentin, das umgeben ist von weltbekannten Gütern wie Malescot Saint-Exupéry, Cantenac Brown und Labégorce und seit 1928 ihrer Familie gehört. Pflegte ihr Vater noch einen sehr traditionellen Stil mit herben, kantigen Weinen, die eher an einen Pauillac erinnerten, wollte Christelle zurück zu dem, was gemeinhin einen Margaux charakterisiert: Finesse, Geschmeidigkeit, Eleganz. «Stimmt schon, ich mag die feminine Seite des Margaux», gibt sie zu Protokoll. Ihre Arbeit im Keller betreibt sie daher mit besonderem Fingerspitzengefühl und grosser Zurückhaltung. Extreme Extraktion und übertriebener Holzausbau sind ganz und gar nicht ihre Sache. Wer solch ausgezeichnete Böden besitzt ‒ die 13 Hektar Rebland liegen rings um das Gut verteilt auf tiefgründigem Kies, auch diesbezüglich unterscheidet sich das unklassierte Deyrem nicht von klassierten Gütern ‒ weiss, was er ihnen schuldig ist.

Château Grand-Maison

Mit Château Grand Maison, einem  kleinen, feinen Weingut der Appellation Côtes de Bourg haben zwei Freunde 2004 den Traum vom eigenen Weingut wahrgemacht: der Önologe Hervé Romat und der Weinhändler François Tailliez.

Die Appellation Côtes de Bourg steht für ein kleines Anbaugebiet am rechten Ufer der Gironde, rund 40 Kilometer nördlich von Bordeaux.  Diese hügelige «Suisse Girondine», wie sie hier ab und zu geheissen wird, gilt als Brutstätte für Weine mit exzellentem Preis/Spass-Verhältnis.

Grand Maison liegt auf einer Anhöhe über dem ehemaligen Fischerhafen Bourg sur Gironde in südlicher Ausrichtung. Diese exzellente Lage wird zusätzlich aufgewertet durch die Nähe zur Gironde, dem Zusammenfluss von Garonne und Dordogne, der hier bereits ordentliche Breite erreicht. Die Atlantikwinde sorgen für die gute und dauerhafte  Belüftung der Reben und damit für ein besonders gesundes Kleinklima.  Gegründet wurde die kleine Domäne 1850. Damals waren die Côtes de Bourg noch weitgehend  mit der Sorte Noir de Pressac (die regionale Bezeichnung für Malbec) bestockt.  Diese alte Sorte, die in Argentinien grossen Erfolg feiert, ist in Bordeaux praktisch aus den Rebgärten verschwunden. Doch auf Grand Maison hält man ihr die Treue: fast 20 Prozent der 6,5 Hektar Reben sind mit alten Reben dieser interessanten  Varietät bestockt, ergänzt durch Merlot und wenig Cabernet Franc.  Hervé Romat, der ferner als Weinberater in Bordeaux, aber auch Ländern wie Georgien, Chile oder Libanon tätig ist, und François Talliez setzen alles daran, einen besonders fruchtigen, geschmeidigen Wein auf die Flasche zu bringen, der bereits jung seine Bordeaux-Typizität ausspielt, aber auch gut reifen kann. Naturnaher Anbau gemäss den Prinzipien der integrierten Produktion, Begrünung der Rebzeilen, Ernte von Hand oder schonendes Pumpen sind für sie eine Selbstverständlichkeit.   

Château les Jonqueyres

Ende der 1980er Jahre sorgte ein junger Wilder für Aufsehen, weil sein Wein in Blinddegustationen weit bekanntere Bordeaux hinter sich liess.  Aus dem jungen Wilden ist ein gestandener Winzer geworden. Doch seine Weine haben nichts von ihrer Superbe eingebüsst.    

Mit 6500 Hektar Reben ist Blaye die grösste der so genannten Côtes-Appellationen.  Pascal Montaut wurde hier geboren und hat sein Leben im Umkreis von fünf Kilometern verbracht, wie er scherzend zugibt. 1977 übernahm der 20 jährige den kleinen Weinberg samt altem Keller im Weiler Saint Paul vom Grossvater, führte die Flaschenabfüllung ein, baute seine Weine bald einmal in der Barrique aus, was damals in Blaye die Ausnahme war, und brachte einen absolut verblüffenden Rebensaft auf die Flasche, der nicht nur als bester Wein seiner Ecke galt, sondern in ganz Frankreich Furore machte. Und in der Schweiz: 1989 gehörte er zu den drei Winzern, welche die Weinzeitschrift Vinum als absolute Entdeckung feierte, gemeinsam mit Moulin Haut Laroque aus Fronsac und Alain Brumont aus Madiran.      

Heute betreut er 11 Hektar alter bis uralter Reben, die auf Böden von sandigem Lehm über Kalk wachsen. Seit jeher vertraut Pascal auf naturnahen Anbau: Seit 2012 ist les Jonqueyres als Bio-Gut zertifiziert. Pascal keltert gut strukturierte Weine mit starkem Eigencharakter, Weine, die ihm aufs Haar gleichen. In ihrer Jugend mögen sie verschlossen wirken (wie viele Weine, die auf Haltbarkeit angelegt sind): mit der vollen Reife erreichen sie eine umwerfende Fruchtigkeit und samtene, dichte Fülle, wie grosse alte Jahre wie 1985 oder 1989 noch heute belegen.

Château Moulin de Clotte

Françoise Lannoye, Tochter eines Landwirts, stammt aus Dünkirchen. 2001 erstand sie ein 40 Hektar grosses Gut in Castillon in den Côtes de Bordeaux.

Château Moulin de La Clotte gehört zur Appellation Castillon auf dem rechten Dordogne-Ufer. Das Gut liegt rund 15 Kilometer östlich von Saint Emilion. Der Name Clotte bezeichnet einen Weiler, der einst um eine Quelle, eine Wasserstelle entstanden sein soll.

Das eigentliche Weingut wurde 1890 gegründet. Lange nannte man diese interessante Weinecke «Près Saint-Emilion», das heisst, «in der Nähe von Saint-Emilion gelegen».  Heute gehört Castillon zur Familie der so genannten Côtes de Bordeaux. So werden die Weine mehrerer Unterregionen genannt, deren Gemeinsamkeit darin liegt, dass die Weine hier in Hanglage wachsen, meist mit Blick auf die Wasser von Garonne, Gironde oder Dordogne. In und um Castillon haben in den letzten Jahren viele bekannte Güter aus Saint-Emilion investiert, um preiswerte Weine im Saint Emilion-Stil zu produzieren. Françoise Lannoye sieht das anders. Für sie besitzen die Weine der Appellation eigenständigen Charakter. Sie vereinen Geschmeidigkeit mit Fruchtigkeit und Frische. Ihre Cuvée Vieilles Vignes stammt aus einer zwei Hektar grossen Parzelle von 60 Jahre alten Merlot-Stöcken, die direkt vor dem Kellereingang wachsen. Die kalk- und lehmhaltigen Böden produzieren einen besonders ausgewogenen, bekömmlichen Castillon, der ganz bewusst nur 12 Monate auf dem Fass ausgebaut wird, mit einem Anteil von 40 Prozent neuem Holz, um den fruchtiger Charakter zu erhalten. Die tatkräftige Winzerin aus dem Norden, die das Ruder bald einmal Tochter Céline überlassen möchte, hat sich perfekt eingegliedert. Sie präsidiert heute die Winzervereinigung der Appellation. Françoise Lannoye ist ebenfalls  Besitzerin von zwei weiteren Gütern: Château Ambe Tour Pourret Grand Cru in Saint Emilion und Château Lanbersac in Puisseguin.

Selektion Bordeaux

Die Selektion Bordeaux ist jeweils von Mitte Mai bis Ende September online verfügbar.

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