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Ross und Falke im Weinberg

Als Weinbauer muss man ein wenig anders als andere sein, wenn man Bio-Wein anbaut.Ricardo Peñalba hat es nicht geschadet. Ganz im Gegenteil.

Ein Ross im Rebberg! Man traut seinen Augen kaum, wenn man im spanischen Weingut Torremilanos, 90 Minuten Autofahrt nördlich von Madrid, einen Bauern sieht, der hinter seinem Pferd einen Pflug durch die Erde treibt. Als wären die Figuren direkt  dem Mittelalter entsprungen. «Ich möchte mehr und mehr auf Maschinen verzichten», erklärt Ricardo Peñalba vom Weingut Torremilanos. «Für mich bedeutet nachhaltiger Anbau nicht nur ein Verzicht auf chemische Spritzmittel und synthetischen Dünger, sondern auch das Besinnen auf alte Traditionen. Das sehe ich als kulturelle Aufgabe.» Dieses Detail ist nur einer der Mosaiksteine im naturnahen Weinbau, den Ricardo Peñalba seit dem Jahr 2000 betreibt. 25 Jahre vorher hatten seine Eltern das damals fast verwilderte Weingut Torremilanos – nicht zu verwechseln mit dem südspanischen Touristen-Ort Torremolinos – mit 40 Hektaren Fläche übernommen. Und sich mit ihremausgewogenen Tempranillo einen hervorragenden Namen in der Gegend gemacht.

Bio ist Familiensache

«Damals, als 22-Jähriger, sollte ich mich eigentlich um Marketing und Verkauf kümmern», sagt der rastlose Spanier. «Doch im Studium lernte ich den biologischen Ansatz der Landwirtschaft kennen.» Er war sofort fasziniert: «Ich habe mich als Junge immer gefragt, warum giftige Chemikalien bei Naturprodukten wie Trauben und Wein nötig sind.» Er schwatzte seinem Vater ein paar Quadratmeter ab, auf denen er biologisch arbeitete. «Mi padre erklärte mich für verrückt. Als meine Anbaumethode aber funktionierte, durfte ich die nachhaltige Bewirtschaftung Schritt für Schritt ausweiten.» Heute ist das ganze Weingut, das mittlerweile 190 Hektaren umfasst, zertifiziert – sogar nach den strengen Richtlinien von Bio Suisse.

Auch wenn der Ertrag etwas geringer ist als beim konventionellen Anbau, steht die ganze Familie – zwei Brüder, mehrere Cousins und Cousinen – hinter Ricardo und seinem Weg. Vor allem auch seine 73-jährige Mutter María Pilar Pérezde Albéniz, eine gebürtige Baskin, deren Mann im Jahr 2005 verstarb. Dieser Rückhalt ist für Ricardo entscheidend: «Jedes Projekt geht über meinen Schreibtisch, und so loco loco, so verrückt ich noch heute manche Dinge von Ricardo finde; er hat in mir einen starken Rückhalt», erzählt sie.

Viele dieser für sie anfangs seltsamen Dinge sind heute selbstverständlich: So lässt Ricardo das Gras in den Rebbergen wachsen. Dadurch siedeln sich Bio-Organismen, Regenwürmer und anderes Kleingetier an, die für eine lockere Erde sorgen. Erst wenn das Gras die niedrigen Weinstöcke überragt, wird es gemäht. Oder er stellt im Spätsommer für mehrere Wochen einen Falkner an. Dessen Adler und Falken patrouillieren dann über den Feldern und verhindern, dass Vogelschwärme die Trauben von den Rebstöcken stibitzen. «Fast zwei Quadratkilometer Rebberge mit Kunststoff-Netzen abzudecken entspricht doch nicht der Natur, oder?»

Alles nur Hokuspokus?

In Harmoniemit der Natur mit diesem Ziel setzt sich der umtriebige Weinbauer immer wieder aufs Neue auseinander. Und er geht gar einen Schritt weiter. Durch seine Frau, eine Heilpraktikerin, kam er in Kontakt mit der anthroposophischen Lehre, der Bio-Dynamik des Österreichers Rudolf Steiner. Dazu gehören auf den ersten Blick skurrile Massnahmen: «Wir füllen zum Beispiel Kuhmist in Rinderhörner und vergraben diese im Herbst in den Rebbergen», sagt der Weinbauer. «Wenn sich im Winter die Lebenskraft in den Boden zurückzieht, sollen die Hörner diese speichern können.»

Im Frühling holt er den «Hornmist» dann wieder aus der Erde und versprüht ihn während der passenden Mondphase fein in den Weinbergen. Aber auch selbst hergestellte Kräuterpräparate aus Schafgarbe, Kamille, Brennnesseln oder Löwenzahn sollen helfen, die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen zu verbessern und einer Auslaugung der Böden vorbeugen.

Was diese Methode bringt, die von vielen als Hokuspokus bezeichnet wird? «Diese Frage mag ich nicht so gerne», sagt Ricardo. «Klar, möchten meine Familie und ich ein gutes Auskommen haben», meint er weiter. «In erster Linie geht es jedoch darum, dass es Boden, Pflanzen, Trauben, also der Natur, in der wir leben dürfen, gut geht –nur dann haben auch wir etwas davon.»

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