St. Laurent

Die Rebsorte St. Laurent ergibt dunkle, fruchtige Rotweine, die häufig im Eichenfass ausgebaut werden. Sie erinnert deutlich an Pinot Noir. Doch beweisen lässt sich die Verwandtschaft nicht. Das Geheimnis ihres Ursprungs ist nach wie vor nicht gelüftet. Dass sie selten anzutreffen ist, macht sie umso kostbarer. Gerade die tschechischen Varianten sollten Weinliebhaber einmal probiert haben.

Ursprünge der Rebsorte St. Laurent

Der Ursprung des St. Laurent ist nicht geklärt. Man ist sich nicht einig, ob er in der Pinot-Familie zu suchen ist oder ob es sich um eine unabhängige Sorte handelt. Einige vermuten das Elsass als Herkunftsort. Dort ist die Rebsorte seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Andere machen Österreich als Heimat aus, wo sie noch heute recht weit verbreitet ist.

Ihr Name allein ist mit Sicherheit kein Indiz für eine französische Herkunft. Einig ist man sich vielmehr, dass ihre Bezeichnung auf den Kalenderheiligen Sankt Laurentius zurückgeht. Denn zeitgleich mit seinem Gedenktag am 10. August beginnt die Reifephase der Rebe, ihre Trauben färben sich ab diesem Zeitpunkt allmählich rot.

In Tschechien und in der Slowakei, wo sich die grössten Anbaugebiete befinden, geniesst die Rebe eine gewisse Beliebtheit. Bekannt ist sie dort unter dem Namen Svatovavřinecké.

Fruchtige St.-Laurent-Weine

Die Rebsorte ergibt kräftige Weine mit viel Frucht, die an Pinot Noir erinnern. Extrakt und Säurestruktur eines St.-Laurent-Weins können als durchschnittlich bezeichnet werden. Hinsichtlich der Tannine variiert er: Einmal sind sie weicher, ein anderes Mal herber. Im Vergleich zu roten Edelreben wie Pinot Noir oder Cabernet Sauvignon hat sie ihre eigenen Vorzüge. Betörend ist das einprägsame Sauerkirscharoma mit Nuancen von schwarzer Johannisbeere, Holunder und Kakao. Bereits vor dem Genuss besticht der Wein durch seine intensive Farbe. Im Glas präsentiert er sich granatrot.

Ein St.-Laurent-Wein ist gut lagerfähig. Mit der Reife nähert er sich mehr und mehr dem Charakter des Pinot Noir an. Durch die Veredelung, die er im Barrique erfährt, werden besonders gute Ergebnisse erzielt. So kommen die besten St.-Laurent-Weine aus dem Eichenfass. Aufgrund seiner ausgeprägten Fruchtigkeit passt er hervorragend zu Wild und reifem Käse.

Anbau der Rebsorte St. Laurent

Die St.-Laurent-Rebsorte gilt als anspruchsvoll. Aufzucht und Pflege gestalten sich schwierig. Gegen Pilze und Schädlinge ist sie nur wenig resistent. Sie bevorzugt lockere, kalkhaltige Böden und gute Lagen. Spätfrost verträgt sie schlecht. Zudem erbringt sie unregelmässige Erträge. Diese Eigenschaften mögen Gründe dafür sein, dass Winzer oft andere rote Sorten bevorzugen. Weltweit ist sie daher recht selten anzutreffen.

St.-Laurent-Wein aus der Tschechischen Republik

Das höchste Ansehen geniesst St. Laurent in Tschechien. Dort hat man das Potenzial der Rebe erkannt und schreckt nicht vor ihren Ansprüchen zurück. Rund 1'300 Hektar Rebfläche sind mit ihr bestockt. Damit ist Svatovavřinecké, wie sie in Tschechien genannt wird, die populärste rote Sorte.

Bedeutende Weingüter für tschechischen St. Laurent befinden sich im historischen Anbaugebiet Znojemsko. In einem der grössten und schönsten Weinkeller der Welt, in Přímětice bei Znojmo, lagern hervorragende Weine. Unter dem riesigen Ziegelgewölbe reifen die St.-Laurent-Weine bei konstanter Luftfeuchtigkeit traditionell in Eichen- und Akazienfässern. Wer die edlen Tropfen probieren will, besucht das beeindruckende Weinarchiv in Jaroslavice unweit der tschechisch-österreichischen Grenze.

Ebenso beliebt ist Svatovavřinecké in Velké Pavlovice, der grössten Weinregion Tschechiens. Hervorzuheben ist die Gemeinde Velké Bílovice. Auf den Lehmböden ihrer Weingärten gedeiht die Rebsorte St. Laurent exzellent. St. Laurent ist neben Blaufränkischem der Mittelpunkt der tschechischen Rotweinproduktion. Eine Kreuzung aus beiden Trauben brachte eine neue Rebsorte hervor. Seit den 1960er-Jahren erweitert die Sorte André das rote Spektrum.

Österreichische St.-Laurent-Weine

In Österreich wurde St. Laurent erstmalig 1860 im nordwestlich von Wien gelegenen Stift Klosterneuburg angepflanzt. Mittlerweile wird er landesweit kultiviert. In den letzten Jahren nahm seine Bedeutung rasant zu. Die Anbaufläche verdoppelte sich auf 778 Hektar. Am häufigsten ist er in der Thermenregion und am Neusiedler See vertreten.

An dem Ort, an dem die österreichische Erfolgsgeschichte ihren Lauf nahm, gelang dem Önologen Friedrich Zweigelt 1922 eine Neuzüchtung, die heute die am weitesten verbreitete rote Sorte Österreichs ist. Aus St. Laurent und Blaufränkischem ging, allerdings in umgekehrter Kreuzrichtung als beim André, die Zweigelt-Rebe hervor.

Anbau in Deutschland

Vermutlich führte der Weinbaupionier Johann Philipp Bronner die Rebsorte in Deutschland ein. Hier fiel sie beinahe dem Vergessen anheim. Denn lange Zeit war sie nur als gemischter Bestand vertreten. Nach und nach schrumpfte die Rebfläche auf 27 Hektar und der deutsche St. Laurent drohte auszusterben. Im Zuge einer vermehrten Besinnung auf rote Sorten im Land des Weissweins erlebte die Rebe Ende des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung. Heute sind bundesweit circa 657 Hektar mit ihr bestockt. Vermehrt pflanzen sie Winzer in der Pfalz und in Rheinhessen an. Aber auch die Anbaugebiete Nahe, Baden und Mosel entdecken die Sorte neu.

Probieren Sie einmal eine seltene, aber feine Sorte aus. Wunderbare Rotweine erhalten Sie sowohl online bei Mondovino als auch in den Coop-Verkaufsstellen.

 

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