Sangiovese

Vollmundig, tanninreich und eine präsente Säure: Dies sind die Grundeigenschaften eines Sangiovese-Weins. Auch das ausgeprägte Beerenaroma ist charakteristisch. Ohne diese rote Sorte gäbe es die italienischen Kultweine Chianti und Super-Toskaner nicht. Genaue Bestimmungen und strenge Kontrollen sichern den hohen Anteil der Traube in Prädikatsweinen von Weltrang. Besonders gelungen ist der Verschnitt mit Cabernet Sauvignon.

Eine Rebsorte aus der Antike

Der Name Sangiovese stammt vom lateinischen „Sanguis Iovis“, was so viel wie „das Blut Jupiters“ bedeutet. Er ist nicht nur Italiens wichtigste Rotweinsorte, sondern auch eine der ältesten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit kultivierten schon die Etrusker eine Variante der Sangiovese-Rebsorte. Allerdings taucht ihr Name erst seit dem 18. Jahrhundert in schriftlichen Nachweisen auf. Aus welchen Traubensorten sie hervorging, konnte trotz umfassender DNA-Analysen bislang nicht geklärt werden und bleibt wohl das Geheimnis dieser altehrwürdigen Sorte.

Gehaltsvoller Wein aus Sangiovese

In warmen Regionen reifen die Beeren der Sangiovese-Rebsorte spät und ergeben vollmundige, alkoholstarke Weine. In kühlen Regionen sind eine hohe Säure und harte Tannine typisch. Die Qualität der Säure- und Gerbstoffstruktur sowie die Extraktwerte variieren recht stark. Die Bandbreite reicht von einfachen Tafelweinen über Landweine bis hin zu weltweit gefeierten Prädikatstropfen.

Über die Güte entscheidet auch das Alter. Junge Weine fallen deutlich säurehaltiger aus. Auch der hohe Tanningehalt kommt zum Vorschein, der sich am Gaumen recht herb ausnimmt. Sangiovese-Weine weisen ein hohes Lagerpotenzial auf. Im Alter präsentieren sie sich ausgewogener und ihr Charakter nimmt an Komplexität zu. Hervorragend eignen sie sich für den Ausbau im Eichenfass. Das Bouquet erinnert an Kirsche und Pflaume. Nach längerer Lagerzeit erhalten sie erdige Geschmacksnuancen sowie eine dunklere Farbe.

Spitzenweine aus der Toskana

Die Heimat der Sangiovese-Weine ist die Toskana. Die Rebsorte bildet die Grundlage der bekanntesten und populärsten italienischen Weine: Chianti, Brunello und Tignanello. Traditionell wird sie mit anderen Sorten verschnitten.

Sangiovese ist in Italien auch als Prugnolo, „das Pfläumchen“, bekannt. Lange Zeit wurde er von den Anbaubehörden gegängelt, die die Kultivierung mit einigen weniger sinnvollen Restriktionen bedachten. Protagonisten waren damals unter dem Namen „Super-Toskaner“ bekannte Weine wie Tignanello oder Sassicaia. Die strengen DOCG-Vorschriften führen unter anderem dazu, dass die Qualität der Sangiovese-Weine ausnehmend hoch ist. Dies lässt sich daran ablesen, dass die Mehrheit der Weinkenner von ihrer exzellenten Güte überzeugt ist.

Sangiovese ist ein wichtiger Bestandteil des klassischen Chiantis. Unverschnitten findet man ihn im Brunello, wo die Varianten Sangiovese grosso und Sangiovese piccolo konzentrierte Weine ergeben. Piccolo bringt unter Ertragsbegrenzung meist die besten Weine hervor. Der niedrige Ertrag ist eine Voraussetzung für Konzentration, Geschmack und Duft des Weins.

Da die Sangiovese-Rebsorte stark zu Mutationen neigt, entwickelten sich im Laufe ihrer langen Anbaugeschichte zahlreiche Klone. Diese Variationen bauen die italienischen Winzer unter verschiedenen Bezeichnungen an. Sie verleihen dem Wein einen regionalen Charakter. Darunter befinden sich zahlreiche DOCG-Weine. Zur höchsten Qualitätsstufe gehören unter anderem Vino Nobile di Montepulciano, Carmignano und Morellino di Scansano.

In der Toskana wird viel experimentiert. Eines der erfolgreichsten Ergebnisse ist die Kombination von Sangiovese und Cabernet Sauvignon – ein Verschnitt, der von den Behörden lange Zeit sanktioniert wurde. Heute sind im Chianti bis zu 25 Prozent Cabernet Sauvignon zugelassen. Die meisten grossen Chianti-Erzeuger produzieren Cabernet-Sangiovese-Cuvées mit eleganten Namen und hohen Preisen. Weitere Verschnittpartner sind Merlot, Canaiolo und autochthone Sorten wie beispielsweise Mammolo. Zum Verdruss jener Winzer, die gerne lagerfähigen Wein erzeugen möchten, schreibt das Gesetz für Chianti jedoch immer noch einen Anteil weisser Sorten vor.

Anbau der Sangiovese-Rebsorte

Kennzeichnend für die Sangiovese-Rebsorte ist die langsame und späte Reife der dickschaligen, schwarzblauen Trauben. Die Rebe gedeiht am besten auf lockeren, kalkhaltigen Böden in guten Lagen. Dort erbringt sie die höchsten Erträge.

Mit rund 72'000 Hektar Anbaufläche ist Sangiovese die beliebteste Sorte Italiens. Am häufigsten findet man sie dort, wo einst die Etrusker siedelten. Neben der Toskana ist auch die Emilia-Romagna bedeutsam. Kleinere Bestände befinden sich in Umbrien.

Ausserhalb Italiens wird sie kaum angebaut. Winzer in Korsika, Israel und Tunesien bauen in geringen Mengen Sangiovese-Weine an. Grösser sind die Rebflächen in der Neuen Welt, wo die Sorte von italienischen Einwanderern eingeführt wurde. An der Spitze stehen Argentinien und Australien. Auch Kalifornien verfügt über einen beachtlichen Bestand. Dort ist ein leichter Bedeutungszuwachs zu verzeichnen.

Es geht nichts über den Genuss eines Glases Chianti. Diesen und andere Sangiovese-Weine finden Sie im Mondovino-Sortiment ebenso wie in den Coop-Verkaufsstellen. 

Typische Merkmale

Kirsche
Pflaume
Tabakblätter

Farbe

Jung Blaurot
Reif Ziegelrot

Duft

Jung Kirsch-, Kapern,-Leder- und Pflaumenduft sowie frische Kräuter
Reif Aromen von Pflaumen, Kirschen, Vanille, Leder, Tabak, Schokolade, Teer und schwarzem Tee

Geschmack

Tanninbetont mit kräftiger Säure, Kirschen, Kräuter (klassisch); mehr Pflaumen, Eiche und Vanille (modern); das Geschmacksspektrum der reiferen Weine umfasst vegetabile und animalische Noten

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