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Weinbau in der Schweiz

Unter Weinkennern geschätzt und auf internationalen Wettbewerben mit Preisen bedacht: Dennoch sind Schweizer Weine ausserhalb der Landesgrenzen kaum bekannt. Kein Wunder, denn die vergleichsweise geringe Produktion macht sie zu seltenen Tropfen, die – noch bevor sie auf den Weltmarkt gelangen – mit Vorliebe im eigenen Land konsumiert werden. Die raren Weine ausfindig zu machen, lohnt sich allemal. Die kleine Schweiz bietet sowohl Qualität als auch Spezialität und gilt vermehrt auch für weniger „schweizerische“ Sorten wie Syrah als interessanter Mitbewerber. Bei den roten Reben dominiert Pinot Noir bei den weissen die aus der Chasselas-Traube gewonnenen Fendants.

Traubenerzeugnisse aus den Weinregionen der Schweiz

Rote und weisse Rebsorten liegen im Weinbau der Schweiz in etwa gleich auf. Kaum mehr als die Hälfte der Schweizer Gesamtrebfläche ist mit roten Trauben bestockt. An der Spitze steht der vollmundig-fruchtige Pinot Noir. Stolz bezeichnen die Winzer aus dem Kanton Schaffhausen ihre Weingärten als Blauburgunderland. Denn hier belegt die Cépage noble 80 Prozent. An zweiter Stelle der Schweizer Rotweinproduktion steht der Gamay. Im Kanton Tessin hat der geschmeidige Merlot die Oberhand.

Unter den Weissweinen geniesst Chasselas das grösste Ansehen. Das Kanton Waadt beherbergt die meisten weissen Reben. Hier bringen die Weinberge ebenso leichte wie vom Terroir geprägte Fendants hervor. Geschätzt werden die vorzüglichen feinfruchtigen Chasselas vor allem als Apérowein. Ähnlich beliebt wie der Chasselas ist der Müller-Thurgau, ein frischer Weisswein mit feinfruchtigem Aroma, dem der Schweizer Weinbau-Pionier seinen Namen gab und der vor allem in der Deutschschweiz anzutreffen ist.

Pinot Gris, Pinot Blanc, Chardonnay, Gewürztraminer und andere sowie einige autochthone Sorten des Wallis und der Ostschweiz haben als Spezialitäten zwar Bedeutung, sie werden aber nur in sehr geringem Umfang angebaut.

Seit der Existenz kontrollierter Appellationen herrschen für den Weinbau in der Schweiz strenge gesetzliche Reglementierungen. In der Folge nahm die Qualität der Weine im Laufe der letzten Jahre erheblich zu. Vorreiter war hierbei das Wallis. 1990 führte es als erste Weinregion der Schweiz ein Qualitätssystem ein.

Die Schweizer Verordnung legt für Weinerzeugnisse drei Gütestufen fest:

Kategorie I: Ausschliesslich Qualitätsweine aus kontrollierter Herkunft gelangen in diese Kategorie. Weine dieser Gütestufe werden mit dem Etikett AOC versehen. Einigen Produkten, wie beispielsweise den Weinen aus den berühmten Lagen von Dézaley und Calamin, kommt auch die Ehre zu, sich mit dem Label „Grand Cru“ schmücken zu dürfen. Auf die Qualitätsbezeichnung folgt die Angabe der Herkunft. Die Kategorie unterliegt strikten Auflagen, unter anderem für zugelassene Rebsorten, Anbaumethoden und den Maximal-Ertrag. Nur in diesem Bereich befinden sich Spätlesen, Auslesen, Eisweine und geschützte Namen wie beispielsweise der berühmte Roséwein Œil de Perdrix aus zwei bedeutenden Weinanbaugebieten der Schweiz, den Kantonen Wallis und Neuchâtel.

Kategorie II: Landweine fallen in diese Gruppe. Eine Herkunftsbezeichnung ist hierbei Pflicht. Auch innerhalb dieser Kategorie gibt es Bestimmungen hinsichtlich Mostgewicht und Höchsterträgen.

Kategorie III: Produkte dieser Stufe sind Tafelweine, die keine Herkunftsbezeichnung besitzen. Für Tafelweine gibt es Regeln zum Mindest-Mostgewicht.

Geschichte des Weinanbaus in der Schweiz

Auch in der Schweiz haben die Römer den Weinbau verbreitet. Dies belegen Rebmesser, die von Archäologen auf Westschweizer Landgütern sowie in den Städten Nyon und Martigny gefunden wurden. Südlich der Alpen, im Kanton Tessin, sowie in der Westschweiz wurden mit einiger Wahrscheinlichkeit aber schon vor der römischen Kolonisation Weinreben angepflanzt. In Saint-Blaise am Neuenburgersee entdeckte man Traubenkerne aus der Jungsteinzeit (3000–1800 v. Chr.). Damit zählt die Schweiz zu einem der ältesten Weinanbaugebiete Europas.

Wie in den meisten anderen europäischen Regionen agierten auch hier die Mönche als Weinpioniere. Ab dem 6. Jahrhundert kultivierten Zisterzienser im heutigen Kanton Waadt vermehrt Wein und hatten grossen Anteil an der Verbreitung auf Schweizer Terrain. Insbesondere die Gründung des Klosters Dézalay stellt einen Meilenstein der Geschichte des Weinbaus der Schweiz dar. Dézelay zählt nicht nur zu den ersten Weingütern der Schweiz, sondern konnte seinen ausgezeichneten Ruf bis heute bewahren. Denn von dort kommen die hochwertigsten Appellationen.

Ein Indiz für die zunehmende Kultivierung sind die von Historikern gefundenen Belege für den Anbau im Churer Rheintal und am Bodensee, die sich auf Mitte des 8. Jahrhunderts datieren lassen. Ebenfalls eine Vorreiterrolle übernahmen Zisterzienser-Mönche des Klosters Hautcrêt Palézieux im Jahr 1142. Ihnen kommt das Verdienst zu, sich die geografischen Besonderheiten zunutze gemacht und die erste Weinterrasse der Schweiz geschaffen zu haben. Seit der Gründung der Eidgenossenschaft der Kantone Schwyz, Unterwalden und Uri im Jahr 1291 florierte die Weinproduktion und erreichte insbesondere im 18. Jahrhundert einen Höhepunkt.

Geografie in der Schweiz

Die Bergmassive der Alpen, ihre Ausläufer sowie tiefe, grüne Täler prägen die geologische Beschaffenheit. Hier befinden sich die gebirgigsten Weinanbaugebiete Europas. Umso schwieriger sind die Bedingungen für die Weinkultivierung. Der Anbau in steilen Hanglagen stellt eine grosse Herausforderung dar. Ein Grund für die relativ kleine Gesamtrebfläche. Und dennoch: Kein anderes Land mit so geringer Anbaufläche wie die Schweiz kann einen so vielfältigen Weinbau verzeichnen.

Der Rebbau konzentriert sich auf die Flusstäler von Rhône, Rhein und Po sowie auf die Ufergebiete der zahlreichen Seen. Auf Gletschermoränen gelegene Weinterrassen mit beeindruckender Hangneigung säumen viele Seeufer. Auch die Höhenlage ist beachtlich. Berühmtheit erlangte der spektakuläre Weinberg des Walliser Dorfes Vesperterminen. Bis zu einer Höhe von 1'100 Meter ist er bestockt. Am sonnverwöhntesten ist das auf der Alpensüdseite befindliche Walliser Weinanbaugebiet.

Weinanbaugebiete in der Schweiz

Der Weinanbau in der Schweiz verteilt sich auf acht Hauptgebiete: Wallis, Waadt, Genfersee-Gebiet, Tessin, Deutschschweiz (Basel/Aargau), Drei-Seen-Region, die Ostschweiz sowie Zürich.

  • Wallis: Mit seinen 5'070 Hektar hat das Wallis den grössten Anteil an der Schweizer Weinproduktion. Verschiedenste Bodentypen sowie die Höhenlagen entlang der Rhône prägen die Terroirs. Die oft steilen Weinberge sind vornehmlich mit Pinot Noir, Chasselas und Gamay bestockt. Zu den Spezialitäten gehören autochthone Rebsorten wie Petite Arvine, Heida, Amigne, Cornalin, Humagne und Syrah. Beliebt ist auch die Rotwein-Assemblage Dôle.
  • Waadt: Mit seinen 3'800 Hektar rangiert die Waadt unter den Weinanbaugebieten der Schweiz auf Platz zwei. Bevorzugt wird hier Chasselas gekeltert. Aber auch rote Sorten befinden sich auf den imposanten Steilhängen am Genfer See. Elegante und süffige Rotweine entstehen aus Pinot Noir und Gamay.
  • Genf: Die drittgrösste Region für den Weinbau der Schweiz bildet das Genfersee-Gebiet. Etwa 1'300 Hektar sind hier mit roten und weissen Reben bestockt. Die führende Rolle hat der fruchtige Rotwein Gamay inne. Auf ihn folgt Pinot Noir. Im weissen Sortiment haben leichte, im Stahltank ausgebaute Chasselas Priorität. Zu den Kostbarkeiten der Genfer Winzer gehören Sauvignon Blanc, Viognier sowie die Schweizer Neuzüchtung Gamaret.
  • Tessin: Nahezu komplett belegt Merlot die 1'000 Hektar der Tessiner Gesamtrebfläche. Zu Recht: Denn hier hat der vollmundige Wein mit den weichen Tanninen und dem fruchtigen Charakter eine bedeutende Heimat jenseits der Grand-Cru-Lagen des Bordeaux gefunden. Mit den Spitzenweinen der Bordelais-Tropfen können sie sich durchaus messen. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Assemblagen aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ebenso wie Weissweine aus Sauvignon Blanc und Chardonnay.
  • Basel/Aargau: Etwa 500 Hektar umfasst dieses Deutschschweizer Weingebiet. Zu den Aushängeschildern gehören der Pinot Noir sowie prickelnd-frischer Müller-Thurgau (Riesling x Silvaner). Typisch sind zudem weisse Spezialitäten wie Chardonnay, Pinot Gris, Sauvignon Blanc und Traminer.
  • Drei-Seen-Region: Trotz des nur etwa 1'000 Hektar umfassenden Weingebiets an den Gewässern Neuenburger-, Murten- und Bielersee hat die Region grossen Anteil an dem hohen Ansehen des Weinbaus der Schweiz. Hervorzuheben sind die Chasselas. Der Neuenburger Non Filtré kann durchaus als Schweizer Markenzeichen angesehen werden. Ebenso von Bedeutung ist der Rosé Œil de Perdrix. Auch die hier erzeugten Pinot Noirs können sich sehen lassen.
  • Ostschweiz: Viel zu bieten haben insbesondere die Ostschweizer Kantone Schaffhausen und Graubünden. Das milde Klima des Rheintals lässt die Trauben ausreifen. Als Hauptakteur tritt hier der Pinot Noir auf, der oft im Barrique Vollendung erlangt. Einen geringeren Anteil machen Weissweine aus Müller-Thurgau, Sauvignon Blanc und Chardonnay aus.
  • Zürich: Auf den etwas mehr als 600 Hektar wächst vornehmlich am Ufer des Zürichsees und im Limmatal eine für diese kleine Fläche beachtliche Vielfalt an Trauben. Zehn Rebsorten werden als AOC-Weine vinifiziert. Dazu zählen rote Kreszenzen wie Pinot Noir ebenso wie weisse Tropfen, allen voran Müller-Thurgau.

Rebfläche und Produktionsmenge des Weinanbaus der Schweiz

14'793 ha, ungefähr 1,3 Mio. hl/Jahr (Stand 2015).

Karte

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