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Weinanbaugebiete in Deutschland

Seit Jahren ist der Weinanbau in Deutschland nicht mehr nur für seine hervorragenden Weissweine bekannt. Junge, innovative Winzer sorgen mit ihren Pinots (in Deutschland auch „Blau-“ oder „Spätburgunder“ genannt) schon länger für Furore und machen den Vorbildern im Burgund mächtig Konkurrenz. 13 verschiedene Weinbaugebiete in Deutschland bieten eine breit gefächerte Weinvielfalt, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Geschichte des Weinanbaus in Deutschland

Die ersten Weinanbaugebiete in Deutschland entstanden vermutlich Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts auf dem linken Rheinufer und im Moseltal. Hier wurden die ersten Reben kultiviert, aus denen Wein bereitet wurde. Als besonderer Förderer der Rebkultur in dieser Weinregion gilt der römische Kaiser Probus (232–282 n. Chr.). Seit seiner Regentschaft ist der Weinanbau in Deutschland immer stärker aufgeblüht. Urkundliche Nachweise gibt es für die Zeit ab dem 6. Jahrhundert. Mit der Christianisierung wurden die Klöster zu Zentren des Weinbaus und des Winzerhandwerks. Sie wirkten zugleich als Lehrmeister und Förderer des Qualitätsweinbaus.

Im Rheingau und in Franken ist der Weinbau ab dem 8. Jahrhundert, in Sachsen seit Ende des 9. Jahrhunderts nachgewiesen. Ein Rückgang von zeitweilig mehr als 300'000 ha Rebfläche wurde unter anderem durch den Dreissigjährigen Krieg im 16. Jahrhundert ausgelöst. Im 19. Jahrhundert zerstörte der Reblausbefall auch in den Weinregionen in Deutschland weite Flächen, die zum Teil nicht mehr bestockt wurden. Die beiden Weltkriege verursachten erneute Einbussen. Erst in den 1950er-Jahren setzte abermals ein starker Aufschwung mit deutlicher Ausweitung der Rebflächen in Deutschland ein.

Geografie: Wo liegen die Weinanbaugebiete in Deutschland?

Deutschlands Weinbau konzentriert sich auf die zum Rheintal abfallenden Hänge vom Rheinknie bei Weil im Süden bis zum Siebengebirge vor Bonn; er umfasst die Uferhänge der Rheinzuflüsse Neckar, Main, Mosel, Ahr und Nahe einschliesslich ihrer Nebenflüsse, zudem das Bodenseeufer und ferner Gebiete im Osten, im Elbtal bei Meissen sowie an Saale und Unstrut. Dementsprechend wird der Weinanbau in Deutschland auf sehr verschiedenen Böden und unter unterschiedlichen Klimabedingungen betrieben. Das sorgt für Vielfalt unter den deutschen Weinen.

Anbaugebiete: Wie ist die Weinregion Deutschland gegliedert?

13 verschiedene Weinbaugebiete gibt es in Deutschland. 11 davon liegen am Rhein und seinen Nebenflüssen, also im Rheingau, in Rheinhessen, der Pfalz, an der Hessischen Bergstrasse, in Franken, Württemberg und Baden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kamen das Gebiet um Saale und Unstrut im südlichen Sachsen-Anhalt sowie Regionen Sachsens dazu. Die Anbaugebiete sind wiederum in ca. 40 Bereiche unterteilt, die laut Weingesetz «eine Zusammenfassung mehrerer Lagen sein sollten, aus deren Erträgen Weine gleichartiger Geschmacksrichtung hergestellt zu werden pflegen» – was in Anbetracht des Charakters einzelner Weine nicht immer zutrifft.

Eine höhere Hierarchieebene der deutschen Weinanbaugebiete stellen die Grosslagen (168) dar, die mehrere Einzellagen (ca. 2'680) zusammenfassen. Eine Einzellage kann mehrere Besitzer haben. Im Jahr 2005 wurde das Stargarder Land offiziell als weiterer Weinbaubereich zugelassen, es darf jedoch nur Tafelweine erzeugen.

Weine: Was wird in Deutschland angebaut?

In den Weinanbaugebieten in Deutschland werden Weine mit einer besonderen Qualität angebaut. Diese ist auf die längere Reifezeit zurückzuführen, die durch das vergleichsweise milde Klima möglich ist. Die Trauben hängen länger am Rebstock und können so besonders viele Geschmacksstoffe und Aromen ausbilden.

Bis zu 65 Prozent Weissweine in verschiedenen Süssegraden werden in den deutschen Weinregionen erzeugt. Mehr als die Hälfte wird trocken oder halbtrocken ausgebaut. Besonders hervorzuheben ist dabei der Riesling mit seinen Fruchtaromen von Zitrusfrüchten, Äpfeln und Aprikosen sowie den Tönen von Mandel, Karamell und Honig. Der spritzige, leichte Weisswein hat sich weltweit einen guten Ruf erworben. Doch auch Rotweine liegen in allen Weinbaugebieten Deutschlands zunehmend im Trend und werden unter anderem an der Ahr, in Franken, Rheinhessen, Baden und Württemberg produziert. Der beliebteste deutsche Rotwein ist der vollmundige und sanfte Spätburgunder, der mit fruchtigem Aroma und Mandelnuancen überzeugt.

Die wichtigsten Rebsorten in der Weinregion Deutschland sind Riesling (21 Prozent) und Müller-Thurgau (19 Prozent), gefolgt von Spätburgunder (Pinot Noir), Silvaner, Kerner, Dornfelder, Blauem Portugieser, Bacchus, Grauburgunder (Ruländer), Weissburgunder (Pinot Blanc), Scheurebe, Trollinger und Schwarzriesling.

Rebfläche und Produktionsmenge

Ca. 102'000 ha, 9,3 Mio. hl/Jahr.

Karte

Mosel

Geschichte

Schon zu Zeiten römischer Besatzung wurde hier Wein angebaut. Ende des 18. Jahrhunderts ordnete der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus an, es dürfe an der Mosel keine andere Rebsorte mehr als der Riesling angebaut werden. Der weitgehenden Beschränkung auf diese Rebsorte, die hier einmalige, nicht imitierbare Weine hervorbringt, verdankte das Anbaugebiet seinen geradezu legendären Ruf bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts.

Geografie

Auf 238 Flusskilometern Länge beiderseits der Mosel sowie an den Ufern ihrer beiden Nebenflüsse Saar und Ruwer erstreckt sich das Weinanbaugebiet, in sechs Bereiche -Bernkastel (früher Untermosel), Ruwertal und Saar (früher Saar-Ruwer), Burg Cochem (ehemals Zell), Moseltor (im Saarland) und Obermosel unterteilt ist.

Klima

Die Mosel reflektiert das Sonnenlicht, der Schiefer hält an den Steilhängen die Wärme bis in die Nacht hinein.

Boden

Magere Schieferböden an Steilstlagen.

Weine

So gut wie ausschliesslich Weisswein (ungefähr 91 Prozent); fruchtiger, von Säure geprägter Riesling mit feinem Duft. In grossen Jahrgängen hervorragende Prädikats-Weine, meist mit feiner Süsse.

Rebsorten

58 Prozent Riesling, 15 Prozent Müller-Thurgau, 6 Prozent Elbling, 5 Prozent Kerner, Grauburgunder (Ruländer) und andere Sorten. Rote: Spätburgunder und andere.

Produzenten

Gut 5'000 Weinbaubetriebe, hauptsächlich kleinere Familienbetriebe. Einige liefern ihre Trauben an grosse Zentralkellereien.

Rebfläche und Produktionsmenge

Ca. 9'000 ha, etwa 1,3 Mio. hl/Jahr.

Rheingau

Geschichte

Das Weinanbaugebiet im Rheingau entsprach bereits um 1226 der heute noch mit Reben bestockten Fläche. Seit 500 Jahren wird hier überwiegend die Sorte Riesling angebaut. Der «Cabinetkeller», in dem die besten Weine gelagert wurden, stand Pate für den heutigen «Kabinettwein».

Geografie

Zwischen Wiesbaden und Rüdesheim liegt das Zentrum. Das Weinanbaugebiet zieht sich von Wicker am Unterlauf des Mains bis Lorchhausen.

Klima

Lange, warme Sommer, kurze, milde Winter und geringe Niederschläge. Der Rhein reflektiert die Sonne und gibt nachts Wärme ab. Gegen Nordwinde schützt das Taunusgebirge.

Weine

Feinfruchtiger, eleganter Riesling, extraktreich, häufig mit feiner Süsse, lange lagerfähig. Die früher leichten Spätburgunder haben heute immer mehr Kraft.

Rebsorten

79 Prozent Riesling und 13 Prozent Spätburgunder, 2 Prozent Müller-Thurgau.

Produzenten

Rund 770 Weinbaubetriebe.

Rebfläche und Produktionsmenge

Ca. 3'100 ha, ca. 204 000 hl/Jahr.

Nahe

Geschichte

Erste urkundliche Nachweise für den Weinbau an der Nahe datieren aus dem 8. Jahrhundert. Sie finden sich vor allem in Urkunden des Klosters Lorsch.

Geografie

Die Nahe fliesst auf 120 Kilometer Länge in West-Ost-Richtung. Auf den unteren 60 Kilometern erstrecken sich die Flächen für den Weinbau auf Steilhängen beiderseits des Flusses und seiner Seitentäler.

Klima

Von Soonwald und Hunsrück gegen Nordwinde geschützt.

Weine

Fast ausschliesslich Weissweine. Duftig-aromatische, kräftige und säurebetonte Weine an der mittleren und oberen Nahe. Feinfruchtige, an die Moseltropfen erinnernde Weine am Unterlauf des Flusses.

Rebsorten

26 Prozent Riesling,  14 Prozent Müller-Thurgau, 11 Prozent Dornfelder.

Rebfläche und Produktionsmenge

4'100 ha, rund 260'000 hl/Jahr.

Rheinhessen

Geschichte

Man weiss, dass Karl der Grosse im 9. Jahrhundert die Weine der Gegend um seine Kaiserpfalz in Ingelheim sehr schätzte.

Geografie

Die Städte Bingen, Nierstein und Worms bilden die Spitzen eines grossen Dreiecks, das im Norden und Osten vom Rhein begrenzt wird. Das Gebiet ist in die drei Bereiche Bingen, Nierstein und Wonnegau eingeteilt. Hier findet man 24 Grosslagen und 442 Einzellagen.

Klima

Ein mildes, wohl temperiertes Klima. Rheinhessen wird vom Taunusgebirge und dem Odenwald vor Wind geschützt. In den günstigsten Lagen (Rheinfront und Bingen/Ingelheim) sorgt der Rhein für einen Temperaturausgleich, was das Klima positiv beeinflusst.

Weine

Hauptsächlich Weisswein, oft etwas süsslich. Ein zunehmender Teil wird aber trocken ausgebaut. Liebfraumilch hat seinen Ursprung in Rheinhessen. Dieser Wein darf nur von Trauben der vier Bezirke Rheinhessen, Pfalz, Nahe und Rheingau erzeugt werden.

Rebsorten

16 Prozent Müller-Thurgau, 13 Prozent Dornfelder, 12 Prozent Riesling, 10 Prozent Silvaner, Portugieser, Kerner, Spätburgunder, Scheurebe, Grauburgunder.

Rebfläche und Produktionsmenge

26'300 ha, ca. 2,6 Mio. hl/Jahr.

Pfalz

Geschichte

Im späten Mittelalter hatten hier die Rebflächen die grösste Verbreitung erreicht. Nach dem Dreissigjährigen Krieg ging der Weinbau stark zurück. Heute gehört die Pfalz wieder zu den wichtigsten Weinregionen Deutschlands.

Geografie

Die Rebflächen sind zusammenhängend und erstrecken sich über 80 Kilometer, entlang der östlichen Hänge des Haardt- und des Wasgaugebirges. Die Landschaft ist teils flach, teils leicht hügelig. Im Osten fliesst der Rhein vorbei, aber die Weingärten reichen nicht ganz bis an den Fluss heran. Nördlich der Stadt Neustadt liegt der Bereich Mittelhaardt (Deutsche Weinstrasse), südlich davon die Südliche Weinstrasse.

Klima

Die windgeschützte Lage östlich des Haardt- und Wasgaugebirges sorgt für ein sehr mildes Klima.

Weine

Der Weissweinanteil überwiegt mit 60 Prozent, aufgrund der Grösse der Region aber wird hier auch ein grosser Teil der deutschen Rotweine produziert. Qualität und Charakter der Weissweine unterscheiden sich sehr stark. Hier wird sowohl trockener als auch süsser Riesling von absoluter Spitzenklasse hergestellt. Auch grosse Mengen Liebfraumilch und andere einfachere Massenprodukte sind vorhanden. Durch das warme Klima bekommen die Weine einen fülligen Charakter und eine weich abgerundete Säure.

Rebsorten

22 Prozent Riesling, 14 Prozent Dornfelder, 10 Prozent Müller-Thurgau, 10 Prozent Portugieser, Spätburgunder, Kerner, Grauburgunder, Silvaner.

Rebfläche und Produktionsmenge

23'400 ha, 1,7 Mio. hl/Jahr.

Mittelrhein

Geschichte

Der bedeutendste Weinmarkt am Mittelrhein befand sich in Bacharach; von dort wurde Wein bis nach England und Skandinavien verschifft. Das Anbaugebiet besteht aus «Weininseln» an steilen Südhängen. Mit dem Bereich Siebengebirge umfasst das Anbaugebiet Mittelrhein die nördlichsten westdeutschen Weinberge. Die beiden südlicher gelegenen Bereiche wurden zum Bereich «Loreley» zusammengefasst. Hauptsächlich Riesling, kernig, mitunter stahlig, in guten Jahren feinblumig und elegant. Süffige Müller-Thurgau. Ca. 460 ha, ca. 29'000 hl/Jahr.

Hessische Bergstrasse

Geschichte

Im Lorscher Kodex von 765 wird der Weinbau in Bensheim zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Durch Krankheiten wurden die Reben Anfang des 20. Jahrhunderts fast völlig vernichtet. Die Region ist in die zwei Bereiche Starkenburg und Gross-Umstadt (auch «Odenwälder Weininsel» genannt) eingeteilt. Die Rebberge haben meist Hanglage. Gute Verhältnisse durch recht sonniges Klima mit angemessenen Niederschlägen. Die Weissweine dominieren. Mehr als die Hälfte sind trockene und halbtrockene Weine. 49 Prozent Riesling, 10 Prozent Spätburgunder und  8 Prozent Müller-Thurgau. 435 ha, 27'000 hl/Jahr.

Franken

Geschichte

Die erste schriftliche Quelle über den Weinbau geht aufs Jahr 777 zurück. Im 15. und 16. Jahrhundert waren die Rebflächen zehnmal grösser als heute.

Geografie

Franken ist der östlichste Weinbezirk der alten Bundesländer. Die Weinberge findet man in einem grossen Gebiet zwischen Aschaffenburg und Schweinfurt.

Klima

Die Weinberge haben meist ein günstiges Mikroklima.

Weine

Trockene Weine sind immer Tradition gewesen. Heute machen die trockenen Weine 75 Prozent der Produktion aus und sind fast ausschliesslich weiss (81 Prozent). Die flache, dickbauchige Bocksbeutelflasche ist typisch für Franken. Sie darf nur für die fränkischen Weine und für Weine aus einem kleinen Teil der Region Baden verwendet werden.

Rebsorten

31 Prozent Müller-Thurgau, 21 Prozent Silvaner, 12 Prozent Bacchus sowie wenig Riesling.

Rebfläche und Produktionsmenge

6'100 ha, etwa 416'000 hl/Jahr.

Württemberg

Geschichte

Württemberg hat Weinberge, die noch aus der Römerzeit stammen.

Geografie

Die Anbauflächen erstrecken sich von den Tälern des Flusses Tauber im Norden bis zum Bodensee im Süden. Die Hauptbereiche liegen rund um Stuttgart und Heilbronn.

Klima

Mildes Klima des Rheintals und Festlandklima im Osten.

Weine

Robuste, kräftige Weine mit milder Säure. 71 Prozent Rotweine.

Rebsorten

Riesling und Schwarzriesling.

Rebfläche und Produktionsmenge

11'500 ha, ca. 1,1 Mio. hl/Jahr.

Baden

Geschichte

Anfang des 19. Jahrhunderts war Baden die grösste Weinbauregion Deutschlands. 400 Kilometer lang erstreckt sich dieses grosse Weinanbaugebiet vom Bodensee im Süden, dem Rhein und dem Schwarzwald entlang, an Heidelberg vorbei bis nach Franken im Norden. Verschiedene Rebsorten, die in unterschiedlichsten Stilen ausgebaut werden. Die Weine sind vorwiegend robust, füllig und von milder Säure. 54 Prozent sind weiss, obwohl man die grösste Anbaufläche für Spätburgunder in Deutschland hat. 18 Protent Müller-Thurgau, 37 Prozent Spätburgunder, 10 Prozent Grauburgunder. Ca. 16'000 ha, 1,1 Mio. hl.

Ahr

Geschichte

Die Ahr ist ein linker Nebenfluss des Rheins. Rotweine dominieren mit 88 Prozent der Produktion. Samtiger Spätburgunder, milder Portugieser. Ca. 548 ha.

Saale-Unstrut

Geschichte

Die Weinberge dieser nördlichsten Weinbauregion Deutschlands findet man in Tälern und entlang der Flüsse Saale und Unstrut. Meist leichte bis mittelfüllige, trockene Weine mit milder Säure. Ca. 663 ha.

Sachsen

Geschichte

Die östlichste Weinbauregion Deutschlands liegt an den steilen Flusshängen der Elbe. Vorwiegend trockene Weine mit fruchtigem Charakter. Ca. 416 ha.

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